Freitag, 21. November 2008

Patagonien ist anders



Erstens kommt es anders - und zweitens als man denkt. Lt. allgemeiner Wetterprognose und unserem Wetterfrosch Karl Gabl sollte der Sonntag noch schlecht sein, Montag und Dienstag und Mittwoch dafuer 100%ig. Also sah unsere Strategie folgendermassen aus: Start am Montag auf die Schulter zum Fixieren der ersten Seillaengen, Biwak auf der Schulter un am Dienstag voll durch. Doch Patagonien bzw. dessen verdammtes Wetter machte uns einen Strich durch unsere bei unzaehligen Bieren wohldurchdachte Strategie: Der Sonntag war auch schon wunderschoen, doch nach hinten raus schien das Schoenwetterfenster immer kleiner zu werden, schon am Mittwoch sollte es wieder patagonisch werden. Also beschlossen wir aus dem Stehgreif heraus, bereits am Sonntag Nachmittag direkt von El Chalten zu starten. Das heisst im Klartext: 2 Stunden ins Bridwell-Camp, 4 Stunden von dort ins Norwegerbiwak zum deponiertem Material und nochmals 4 Stunden auf die Schulter zum Einstieg und von dort ohne Pause weiterklettern. Eine "Harakiri"-Strategie, aber das beschissene Wetter zwingt zu solch verwegenen Taktiken. Fazit: Strategien und Plaene in Patagonien sind fuer die Fische, weils sowieso anders kommt. Gesagt, getan, so starten wir und die Ischgler Martin und Christian unseren Run, erreichen bereits um 9 am Abend das Norwegerbiwak, wo uns, besonders Hias und mich, eine boese Ueberraschung erwartet: Das am Donnerstag aufgestellte Zelt ist nicht mehr da! Wir finden es 100 Meter weiter unten, komprimiert auf ein schoenen kleinen Haufen. Das Material war gott sei Dank noch alles da und verwendbar, aber das Zelt ist, um es ganz einfach auszudruecken, voll im Arsch. Na super, also im Freien uebernachten ab jetzt. Nachdem wir uns eine Kleinigkeit gekocht haben und uns fuer 2 Stunden in die Horizontale begeben wollen, bevors wieder los geht, kommt auch schon die naechste boese Ueberraschung: Ich werde von einer nicht enden wollenden Kotzattacke heimgesucht, die Nebenerscheinungen wie Schuettelfrost (super angenehm bei eh schon eher kalten Biwaks) und Durchfall geben mir schlussendlich den Rest und ich kann, schon allein um meinen Kumpels nicht die Chance auf den Gipfel zu nehmen und uns nicht alle in Gefahr zu bringen, nicht mitkommen. Schweren Herzens schaue ich den anderen hinterher, wie sie um kurz nach Mitternacht in Richtung Schulter starten (mittlerweile ist der Grund dafuer bekannt: Das Wasser in den Hostels von El Chalten ist nicht unbedingt zum Drinken zu Empfehlen. Jetzt wissen wir das auch, man wird ja immer schlauer....). Im Dunkeln klettern Hias, Chris und Martin ueber das teilweise heikle kombinierte Gelaende auf die Schulter, welche sie puenktlich zu Sonnenaufgang erreichen. Eine gewaltige, eindrucksvolle Stimmung herrscht dort oben, der Blick hinunter auf den Gletscher und den Lago Torre - einfach ueberwaeltigend. Doch fuer das Sammeln landschaftlicher Eindruecke bleibt wenig Zeit, die Kletterei beginnt. Die jetzt folgenden Seillaengen sind, so schauts zumindest aus, nicht sehr schwer, aber wie so oft kommts halt wieder mal anders. Um es mit den Worten von Hias zu sagen: So beschissene Verhaeltnisse, jeder scheiss Riss is eigschniem oder vereist, wenns wos legen wuist, muast zeascht auskrotzen, und staendig wechseln vo Steigeisen auf nit Steigeisen und vo Pickel auf Bratzen, es is zum Kotzen. So vergehen die Stunden, jede einzelne Seillaenge nimmt extrem viel Zeit in Anspruch, die zugestopften Risse und der Anraum machen das Klettern zur Eierei. Nach der Bolt-Traverse und einem heiklen Mixed-Kamin uebermannt die Dunkelheit die 3 Jungs, ein Weiterklettern scheint angesichts der Tatsache, dass Sie jetzt seit 30 Stunden nonstop unterwegs sind unmoeglich, also gibts ein angenehmes Biwak in der Wand. Hias bekommt ein sauenges und abfallendes Schneeband, so gut es geht richtet er sich fuer die Nacht ein. Staendig kommen kleinere Schneelawinen runter, an richtigen Schlaf ist nicht zu denken. Tags darauf hat das Wetter dann umgeschlagen: Leichter Schneefall und aufkommender Wind stellen Hias, Chris und Martin vor eine schwere Entscheidung. Schlussendlich hilft nur mehr der Rueckzug, 2/3 der Wand waren bereits geschafft, sie hatten die Headwall vor Augen. Das Abseilen gestaltete sich auf Grund der stark laedierten Seile als moralische Herausforderung, zurueck auf der Schulter war dann nicht mehr viel uebrig von den Seilen. Am Dienstag bei Einbruch der Dunkelheit, nach fast 60 Stunden Hatschen, Kraxln und Murgsen in den Beinen erreichen Sie das Bridwell Camp, wo ein etwas besorgter Hechei erst mal aufatmet...

Zurueck in El Chalten wird wieder mal gegessen bis zum Anschlag und ein wenig (aber nur ein klein wenig) ausgegangen, das ist gut fuer die Moral. Nach und Nach verlassen die Kletterer Patagonien, eigentlich alle ohne Erfolge, die letzten Wochen waren echt scheisse, und das letzte Fenster konnte auf Grund der durch das pausenlose Schlechtwetter nicht gerade passablen Verhaeltnisse nicht so richtig genutzt werden. Auch fuer die Ischgler Martin und Chris ist der Zug vorzeitig abgefahren, sie werden Ende der Woche heimreisen. Hias und mir bleiben noch 2 Wochen, der Versuch von Hias bringt uns jetzt extrem viel, es gibt vieles das wir besser machen koennen. Sobald sich das naechste Fenster aufmacht, werden wir mit neuer Taktik (leichter und hoffentlich schneller) wieder angreifen, aber wie schon gesagt: Patagonien ist anders...................

Freitag, 14. November 2008

Update der mutierten Wanderer





Wir sind hier in Patagonien von Kletterern zu Wanderern mutiert - taegliches Wandern, seis runter nach El Chalten oder rein ueber den Gletscher zum Norwegerbiwak, wir wandern. Bezueglich Wetter gibts auch einiges zu berichten: Also entweder es ist total nass, und dann wird wirklich alles nass, oder es blaest der Wind dass man kaum mehr stehen kann und auf allen Vieren gehen muss (ehrlich, wir habens auch nicht geglaubt, aber es ist so), oder es ist schoen, und dann ists aber gleich so wunderschoen, dass man vor Staunen kaum mehr den Mund zukriegt. Und zu guter letzt: Es kann rund um einen herum das schoenste Wetter sein - der Torre haengt meistens in Wolken. Gestern sind wir bei anfangs passablen Wetter Richtung Norwegerbiwak, dem Ausgangspunkt bzw. Materialdepot fuer den Gipfelsturm, gestartet. Wir haben uns mit zwei Ischglern, welche auch den Torre ins Auge gefasst haben, zusammengetan und probieren es ab jetzt zu viert. Zuerst gehts ueber den Rio Fitz Roy (mittels Tyrolean Traverse) und entlang des Lago Torre in einen Wald, besser gesagt Urwald. Ueppige Vegetation, viele kleine Baechlein und Wasserfaelle lassen erst mal nicht vermuten, dass einige Meter weiter vorne bzw. unten der Gletscher beginnt: Verruecktes Patagonien. Ueber den Gletscher gehts dann schier endlos flach ins Torre-Tal hinein, vorbei am El Mocho und dahinter steil hinauf ins Norwegerbiwak, welches nach 5 Stunden Schlepperei erreicht ist. Ein netter Schneesturm erwartet uns dort oben und erschwert das Aufbauen der Zelte. Die bereits deponierten Vorraete der Ischgler wurden Opfer von hungrigen Maeusen, man fragt sich, was die wohl da oben in Eis und Schnee verloren haben bzw. von was die sich sonst so ernaehren. Nach einem Mittagessen und einem Lunzer im Zelt, der Sturm wiegt uns sprichwoertlich in den Schlaf, muss Hias mal kurz aufs Klo - und wenn er nicht rauswaere haetten wir vermutlich das folgende, gigantische Schauspiel versaeumt: Die Wolken lichteten sich, nach und nach wurden die umliegenden Berge frei, schlussendlich dann auch der Cerro Torre - ein ueberwaeltigender Anblick. Die vorherrschenden Verhaeltnisse in der Wand waren jedoch alles andere als super: Da oben schaute es eher nach Winter aus, ueberall Pressschnee an der Wand, und auch der Zustieg zur Schulter schien stark eingeblasen zu sein und daher sehr lawinengefaehrlich. Unser Wettergott Hr. Gabl gab noch dazu die Prognose ab, dass in den naechsten Tagen starke Winde vorherrschen und das Wetter bereits im Laufe des Samstags zusammenbricht, bevors am Montag und Dienstag richtig schoen sein soll. Also beschlossen wir, den Rueckmarsch ins Tal anzutreten, unsere Zelte samt Klettermaterial und Vorraete obenzulassen und naechste Woche mit leichtem Gepaeck wieder aufzusteigen. Etwas wehmuetig, weil staendig den selten sichtbaren Cerro Torre im Ruecken, mussten wir bei schoenstem Wetter ins Basecamp zurueckkehren. Einziger Wehmutstropfen: Ein festliches Mahl mit Wuersteln und Speck und alles was das ausgehungerte Klettererherz (eigentlich Wandererherz) begehrt. Jetzt sind wir zum nunmehr vierten mal den Weg nach El Chalten runtergewandert, hauen uns wieder mal ordentlich den Wanst voll, trinken wieder mal einige Biere - laden sozusagen unsere "Batterien" auf. Hoffentlich hauts dann naechste Woche hin... Also ab jetzt heissts fuer euch daheim: Daumen druecken!!!

Montag, 10. November 2008

Mucho viento-mucho frio

Das ist in der guten deutschen Sprache "viel Wind-sehr kalt". Und so ist es auch-kaum geht der Wind, ists eher kalt, und wenn er mal ein kurzes paeuschen einlegt, wirds tlw. richtig warm und man kommt sogar ins schwitzen. Bei sehr patagonischem Wetter haben wir gestern die erste Ladung (pro Person ca 30kg) ins basecamp geschlampt, Sturm und Graupelschauer haben uns dabei begleitet. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten und auch sonst fuer ein gemuetliches camp gesorgt haben, hat das Wetter dann umgeschlagen-auf einmal Sonne und ein Blick auf das Objekt der Begierde - den CERRO TORRE. Doch er zeigte sich alles andere als erfreut ueber unsere Anwesenheit bzw. unsere Plaene. Windboen, die man bei uns wahrscheinlich nicht erlebt, scheinen aus der Richtung des Berges zu kommen und zu sagen: "Verschwindet von hier!!!". Der Ausblick mit dem Gletschersee im Vordergrund ist einfach ueberwaeltigend. Doch noch scheint uns dieser unvergleichliche Monolith in weiter Ferne. Die naechsten Tage wird das Wetter wieder patagonischer, wir schleppen heute den Rest unserer Ausruestung ins Camp und starten morgen ueber den Gletscher in Richtung Norwegerbiwak, dem Ausgangspunkt fuer den Gipfel. Dort werden wir unser Kletterzeugs deponieren und dann im Basecamp warten, und schenken wir unserem Wettergott Karl Gabl Glauben, so wirds Ende der Woche stabil, dann gibts nur noch eins: Vollgas. Cerro Torre, wir kommen......

Samstag, 8. November 2008

PATAGONIEN, die Erste






Hurra wir leben noch. Nach unserem gelungenen "Abschiedsfestl" . Donksche tausendmoi den Haufn Leit wos kemma sind, vor allem jenen, die bis zuletzt ausgeharrt haben, um uns aus dem Baeren zu eskortieren (Fink und der harte KERNmaier-Clan). Ziemlich benebelt ging`s per Bombi-Taxi nach Muenchen (Danke Bombi!) - dass wir mit unserer Ausduenstung in den Flieger durften, verdanken wir nur unseren diplomatischen Faehigkeiten. Mit dem Einsteigen in das Flugding begann eine bis jetzt andauernde Fressorgie zwecks Aufbau von Energiereserven, kurzum waermender Speck. Etwas geschlaucht erreichen wir um 22:00 Ortszeit Buenos Aires und lassen uns bequem in unser Hotel in aeusserst nobler Umgebung (Muell auf den Strassen, "leichte" Maedchen und was man sonst so aus Filmen kennt) kutschieren. Dort geben uns die hohen Temperaturen zu schaffen, fuer so was sind wir einfach nicht ausgeruestet. Heute kutschierte uns der liebe nette Taxler wieder zum Flughafen, nichtsahnend geben wir unser Gepaeck beim Check-In ab und wunderten bzw. freuten uns, dass 50kg Uebergepaeck nur 62 Pesos kosten sollten (wia hot da Huawa scho gsog: is extrem billig). Die nette Dame schickte uns an einen anderen Schalter, wo eine weitere, (noch) nette Dame dann aufeinmal was von 600 Pesos schwafelt (das waeren dann so ca. 150 Euro). Entruestet wanken wir wieder zur netten Dame von vorhin und fragen, was das woll sein soll. "Oh, it was my mistake, hihihi!", sagte diese nur mehr. Nachdem Hias fuer kurze Zeit mit besagter Dame in einem Hinterzimmer verschwunden ist und beide nach wenigen Minuten mit lachenden Gesichtern wieder erscheinen, zahlen wir "nur mehr" 480 Pesos. Ja, ja unsere diplomatischen Faehigkeiten. 3 Stunden Flug bringen uns in den suedlichsten Sueden, nach El Calafate. Und was begruesst uns hier gleich im Anflug: WIND, nein STURM, sodass sogar die sonst in Ihrer Taetigkeit durchaus geuebten Stewardessen den Ausschank einstellen muessen und den Rueckzug antreten. Dieser WIND begleitet uns jetzt beim Bummeln durchs sonnige El Calafate. In wenigen Stunden treten wir die Busfahrt nach El Chalten, unserem Ausgangspunkt, an, und wenn wir so in diese Richtung schauen, hmmmm ja, da schauts nicht mehr nach Sonnenschein aus..... Wir melden uns in ungewisser Zeit wieder, wenn es wieder heisst: "Radio Patagonia by Leal and Hechei"

Montag, 20. Oktober 2008

Deep Water Soloing


Eine ganz neue Spielart des Kletterns probierten 9 Jungmännes und -innen Ende September in Mallorca (bei uns und deutschen Sauftouristen liebevoll Malle genannt) aus: Deep Water Soloing oder PSICOBLOC auf spanisch. Dabei werden bis zu 20m hohe Felsen ohne Seilsicherung direkt über dem Meer erklommen. Die spektakulären Stürze erscheinen schier endlos und das eintauchen ins tiefblaue warme Salzwasser ist stets eine Erleichterung, sofern die Eintauchposition stimmt. Speziell die Gruppendynamik und der psychische Apekt in solchen Höhen seilfrei zu klettern machen den besonderen Reiz beim Psicoblocaus.


Geschlafen wurde ausnahmsweise nicht in einer dreckigen Höhle oder einem staubigen Campingplatz sondern in einer Finca mit Swimmingpool und jedem erdenklichem Luxus. Klar dass wir sonst eher wenig verwöhnten Jungmännes beim ersten Anblick unsrer Behausung zunächst sprachlos waren. Fast noch nie hatten wir im Laufe eines Kletterurlaubes fließendes Wasser geschweige denn ein Bett gesehen. Uns so kam es dass dieser Urlaub auch wirklich diese Bezeichnung verdient hat.


Natürlich stand auch Kultur am Programm und so waren einige von uns nur schwer davon zu überzeugen nicht den bekannten Strandabschnitt namens Ballermann zu besuchen.
Ergebnis:

  • Bestätigung der bereits bekannten Tatsache, das ein Teil unserer Lieblingsnachbarn offensichtlich der geistigen Umnachtung verfallen ist.

  • um 150 Euro bestohlen

  • Gummiknüppel der spanischen Polizei kennengelernt

Dienstag, 14. Oktober 2008

HIGHLINE Kapuzenturm




Schon seit wir die ersten Versuche auf der Slackline machten, schwebte uns immer ein großes Ziel vor den Augen: Die Begehung der von Alex Huber eingebohrten Highline am Kapuzenturm. Diesen Traum konnten wir (Lisi, Michi, Hannes, Hias und die Hechei-Brüder) an einem wunderschönen Oktoberwochende wahr werden lassen. Also gings frühmorgens schwer beladen auf die Ellmauer Halt und über den Kopftörlgrat abwärts zum Kapuzenturm. Nach dem zeitraubendem Aufbau der Fixseile und der Highline machte Michi den Anfang, und siehe da, bei wunderbarer Abendstimmung gelangen ihm 2 Begehungen. Im letzten Abendrot begaben wir uns zurück auf die Ellmauer Halt, der Horizont hüllte sich in Rot, selten zuvor wurden wir Zeugen eines solch gigantischen Schaupiels. Als Nachtquartier haben wir uns die komfortable Babenstuber Hütte knapp unterhalb des Gipfels auserkoren, und nach ausreichend warmer Malzeit und einem lecker Bierchen begaben wir uns in die Horizontale, doch die Nachtruhe dauerte nicht allzu lange, es galt ja, zu Sonnenaufgang auf der Line zu stehen. Bei bestem Wetter waren dann bis ins Tal dringende Urschreie zu hören – auch Hias und die Hechei-Brüder schafften nach einem ausgiebigen Frühstück den Balanceakt bis zum Kapuzenturm. Der Aufbau und die Begehung dieser Highline, das wunderschöne Fleckchen Erde dort oben, die absolute Ausgesetztheit und das unbeschreibliche Glücksgefühl nach Erreichen des anderen Endes werden uns immer in Erinnerung bleiben.

Donnerstag, 28. August 2008

Kaiser-Trilogie


Im Juni 2007 beflog Simon und Hechei ein verwegener Gedanke: Die 3 großen Kletterberge des Kaisers (Totenkirchl, Predigtstuhl und Fleischbank) über die klassischen Extremrouten aus Pauses "Im extremen Fels" zu erklettern. Klingt jetzt nicht sehr aufregend, aber das Ganze an einem Tag zu machen war dann doch eine tolle Herausforderung. Solche Hirngespinste gehören in die Tat umgesetzt, also fanden wir uns nach Beschluss dieser Alpengaudi am Einstieg der Totenkirchl-Westwand beim Schneefeld unter der Winklerschlucht wieder. Der Startschuss fällt um 05:30 - ab diesem Zeitpunkt gibt's nur noch eines: Klettern, klettern, klettern was das Zeug hergibt. Die 22 Seillängen der klassischen "Dülfer Westwand" mit Schwierigkeiten bis 6+, bewältigen wir, meist gleichzeitig kletternd, in knapp 2 Stunden und stehen um halb 8 am Gipfel des Totenkirchls. Pause wird diesesmal keine gemacht, Seil aufgeschossen und runter geht's Richtung Strips. Dort angekommen, wird der nächste Teil der "Triologie" ins Visier genommen: Die Predigtstuhl-Westwand über die ebenfalls klassische "Schüle-Diem-Haslacher-Behringer", auch mit Schwierigkeiten bis 6+. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg durch die Steinerne Rinne und ca. 2h Kletterzeit in der Tour standen wir ungefähr zu Mittag auf dem Predigtstuhl. Nach dem Abseilen durch den Botzong-Kamin gönnen wir uns das erste Mal einen Schluck Wasser und einen Müsliriegel. Der letzte Teil der Trilogie baut sich dabei vor uns auf - die Fleischbank Ostwand mit der "Dülfer", nochmal fast 20 Seillängen bis 6. Auch diese können wir großteils gleichzeitig kletternd überwinden und stehen um halb 4 nachmittags auf der Fleischbank - unsere Trilogie war vollendet. Und erst jetzt fanden wir einmal die Zeit, das herrliche Wetter und die gewaltige Fernsicht zu genießen, also jene Sachen, die uns den ganzen Tag, bedingt durch unseren Geschwindkeitsrausch, eher kalt gelassen haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: über40 SL bis 6+ bzw. über 1500 Klettermeter in 10 Stunden!

Samstag, 23. August 2008

ORTLER Nordwand

Ein sehr eisiges Vorhaben brachte Hias und Hechei im Frühjahr 2007 nach Südtirol, genauer gesagt in die Nordwand des Ortlers, mit einer Neigung von bis zu 60° zwar nicht extrem steil, aber dafür 1200 m hoch. Ein Zustieg, der wie gewohnt auf Abwegen durch Latschen und Schotterfelder führte (einem Weg zu folgen wäre ja Irrsinn, viel besser abkürzen) brachte uns zur Tabarettahütte, wo wir uns im überfüllten Winterraum sprichwörtlich eine Matratze und 2 Decken erkämpfen mussten. Nach einigen wenigen Stunden Schlaf (Hintern an Hintern auf einer 80cm breiten Matratze) starteten unsere Mitbewohner, wir kuschelten uns nochmal zusammen und starteten etwas später. Um halb 4 starten auch wir los, überwinden den weniger steilen, ersten Teil seilfrei und stehen bei Sonnenaufgang unter der "Gurgel", der Engstelle im mittleren Wandbereich. Bestes Eis bringt uns rasch höher, der berüchtigte Eisschlag verschont uns Gott sei Dank. Unsere Mitbewohnerseilschaften haben wir auch schon eingeholt, den Rest wollten wir am Laufenden Seil klettern! Wenn doch das Wörtchen "wenn" nicht wär, dann wär das auch so gelaufen, aber es kam ganz anders. Nachdem uns von oben fast eine Eisschraube der Tschechen erschlagen hätte und uns fast ein Eisgerät derselben Partie um die Ohren geflogen ist, hat sich auch bei uns ein folgeschwerer Materialverlust ereignet - Hechei hört 40 Meter unter sich ein leises "Oh, Oh Scheiße!" vom Hias - eines seiner Steigeisen hat sich in den Abgrund verabschiedet. Somit wars mit gleichzeitig klettern vorbei, dafür konnte sich Hias in einigen neuen Eistechniken üben, wie z.B. Klimmzüge machen und die Beine nachziehen. Als die Kraft schwindete, half nichts mehr außer Trittstufen schlagen, dadurch wurden wir etwas, aber wirklich nur ein wenig, eingebremst, und unsere Ankunft am Gipfel hat sich somit etwas, aber auch wirklich nur etwas, verzögert. Die Freude (für Hias auch die Erleichterung) war trotzdem riesengroß, ein gewaltiges Panorama und eine spärliche Verköstigung bescherten uns geniale Gipfelmomente. Super Sache, wäre da nicht der nicht enden wollende, schier endlose Abstieg über den Normalweg, oftmals versanken wir bis zu den Hüften im Schnee, auch so einiges an Material musste dran glauben, u.a. einige Stöcke. Ziemlich abgekämpft erreichten wir das rettende Auto und traten die Heimreise an. Doch der Kampf war noch nicht vorbei und setzte sich als Kampf gegen das Einschlafen fort...Alles in allem ein tolles alpines Unternehmen!!!

Donnerstag, 7. August 2008

Schleier Wasserfall - eine Zwischenbilanz

Die sonst eher in alpinen Gefilden anzutreffende Jungmannschaft hat sich heuer auffällig oft ins Felsmekka des Schleier Wasserfalls verirrt, wo furchtloses, ausgelassenes Klettern an Bohrhaken statt Uscheissn und Friends stopfen vorherrscht. Dass soll aber nicht heißen , dass wir zu Sportkletterfreaks mutieren. Die bis jetzt verbuchten Erfolge können sich sehen lassen, ein kleiner Auszug untenstehend:
  • Alex alias Reitei konnte die 'Überraschung' und die 'direkte Number one' punkten (beide 7b)
  • Stoffl alias Atti alias Pfote hakte auch die 'Überraschung' ab
  • Hias alias Leal alias Sexy Hias alias Schoki kletterte unter anderem 'Aqualung' (7c) und 'Ziag oda Fliag' (7c+), im zweiten Versuch gelang ihm 'Moonwalk' (7b+). Auch sein "Götterquergang" (7c -Verbindung Ziag o Einstieg zu White Winds Ausstieg) ließ nicht lange auf den roten Punkt warten.
  • Hechei alias Microphone hakte die 'Patient Line' (7c+), 'Fido Dido', 'Aqualung' (beide 7c), 'Schwing dei Ding' sowie 'Helge und Reinhold' (beide 7b+) ab, außerdem gelangen im zweiten Versuch: 'Indiana Jones' (7c), 'Moonwalk', 'Karo pur' (beide 7b+), 'Skywalk' und 'Primaballerina' (beide 7b).
  • Simon alias Hungerturm alias Ausnahmetalent eroberte 'Cool your Foot man' (8b), 'Damenchaos', 'Schrei aus Stein' (jeweils 8a+), 'Beng', 'Travelling Hearts' (beide 8a) sowie 'Ciquita rechts' (8a) im zweiten Versuch und unzählige weitere Routen.
Auch am Saubiche war einiges geboten, z.B. 'Il Blockator' (7b+) durch Stoffl, 'Mad Max' (7b) durch kloa-Hechei, 'Mad Max total' (7c+) und 'Der letzte Mohikaner' (7c) durch Hechei, 'Sport ABC' (7a) durch Ehrenmitglied Hone.

Und das schönste an der Sache: Die Saison ist noch nicht zu Ende, Projekte gibt's noch genug, ein Update folgt....

Dienstag, 5. August 2008

unplugged @ Wildangerhütte


Das heurige, bereits traditionelle Wochenende auf der Wildangerhütte stand ganz im Zeichen der musikalischen Umrahmung durch unseren Freund Yerar aus Peru, der sich zur Verstärkung des genialen Gitarren-Flöten Sounds in allen Varianten seinen Musikerkollegen Jörg alias Joll aus Bayern mitgenommen hat - diese genialen Unplugged-Sounds ließen auch so manchen Hüttenbummler am Stripsenjoch nicht ganz kalt. So drehte sich heuer mal nicht alles nur ums Klettern! Wie jedes Jahr war der Andrang recht groß, besonders stark vertreten war diesmal die Fieberbrunner Spaß-Fraktion. Nach nachmittäglichen, vorwiegend naßen Klettereien im Wildanger versammelte sich die ganze Mannschaft zum gemütlichen Grillen und Betrinken, begleitet von unserer "Privat-Musik". Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Geschehnisse Richtung Lagerfeuer - Yerar und Joll gaben ihre Songs zum Besten. Von "unter die Haut fahrenden" bis "gute Laune Mitsing" Songs war alles dabei - die Musik passt zum Wildanger bzw. zu den Bergen wie der Deckel auf den Topf. Somit verzögerte sich das Schlafengehen spät in die Morgenstunden, man will sich diese akustische Vergnügung ja nicht entgehen lassen. Am Morgen dann die Ernüchterung - es regnet. Recht positiv anzumerken war die Nationalitätenvielfalt: Da waren waschechte Tiroler, Fieberbrunner, Peruaner, Deutsche, Amis. Morgens dann die Ernüchterung - es regnet! Aber auch egal, noch mal umdrehen und ein wenig weiterschlummern hat sicher niemanden geschadet. Und die eine oder andere Kletterei - mit akustischer Berieselung durch die nimmermüden Musikanten auf der Hütte - ist sich auch noch ausgegangen. Der musikalische Background bringt teilweise Gänsehaut-Feeling und zusätzliche Motivation beim Klettern. So haben Simon, Hone und Maggi, kurz die "Spaß-Fraktion Fieberbrunn", nachdem Maggi seine Siebensachen zusammen und seinen (wohlverdienten) Kaffee geschlürft hatte, das Totenkirchl über den Kirchl-Express bezwungen. Alex und Kerstin versuchten sich an der Thaler-Stumhofer am Fleischbankpfeiler, Hias und Hechei waren ebenfalls am Fleischbankpfeiler aktiv, genauer gesagt an den berühmt-berüchtigten Rebitschrissen. Böse Zungen behaupten, dass die Beiden die nicht abzusichernde Schlüsselstelle etwas umgangen sind, dieser Sachverhalt muss auf jeden Fall im Zuge einer der nächsten Zusammenkünfte einer genaueren Untersuchung unterzogen werden, Infos folgen!

Fazit: In Zukunft kein Hüttenwochenende mehr ohne musikalische Umrahmung und multinationalem Teilnehmerfeld!