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Sonntag, 10. Januar 2010

Canadian Rockies Ice, part 3

Wieder zurück in Canmore zeigte der Wetterbericht für die nächsten Tage zwar ziemlich kalte Temperaturen, aber davon lassen wir uns ja bekanntlich nicht aufhalten...

Zuerst stand der gigantische Wasserfall Borgeau Left, WI5, 200m auf dem Programm, und wäre der Wind nicht so stark ausgefallen, so wärs richtig gemütlich gewesen. Vielleicht war auch der aus dem vorigen Abend resultierende Schlafmangel und etwas gehobene Alkoholpegel im Blut schuld daran, wer weiß. Aber was solls, für solch geniale Meter in bestem Eis friert man ja gerne (und zerstört sich seine Lippen, aber wer sich bei -20° einen Karabiner in den Mund nimmt, ist selber schuld!!!). Problematisch sind auch immer größer werdende Eisklumpen an den Wimpern, da sehr sehfeldbeeinträchtigend. Eine heiße Dusche und ein ausgiebiges Abendessen lassen den ausgekühlten Körper wieder auf Touren kommen, und Pläne für den nächsten Tag sind gleich ausgeheckt...

Angesichts der kalten Temperaturen verschlug es uns nochmal zur Weeping Wall, Eisklettern in der Sonne kling sehr verlockend. Über den Snivelling Gully, WI3, 150m, eilen wir gleichzeitig kletternd auf das große Band und stapfen weiter Richtung Upper Weeping Pillar, WI6, 150m, ein absoluter Klassiker unter den kanadischen Eisklettereien. In der Sonne wars dann richtig warm, und der ausgesetzte und steile Weeping Pillar rundete den Tag perfekt ab.

Unseren letzten Klettertag verbrachten wir nochmals im Ghost Valley, und wie sich herausstellen sollte, haben wir uns den mit Abstand besten Wasserfall für den Schluss aufgehoben: Hydrophobia, WI5+, 150m, ein einzigartiger Eisfall. Doch diesen zu erreichen ist etwas zeitaufwändig, zuerst die Offroad-Anfahrt (Ghost River Ralley), dann ca. 3h Zustieg durch dichtesten kanadischen Wald. Aber wenn man das Ding erst mal vor Augen hat, kann mans kaum glauben. Eine noch spektakulärere Position kann man sich nicht vorstellen. Und auch die Kletterei ist vom feinsten, "Plastik-Eis" vom Einstieg bis zum Ausstieg. Die Rucksäcke nahmen wir diesmal mit, um den Weg zum Gipfel fortzusetzen - das hat sich gelohnt, der Ausblick übers Ghost Valley bei Sonnenuntergang war einzigartig. Abgeseilt haben wir über den "Sorcerer", den wir am Anfang unseres Trips geklettert sind. Besser als Hydrophobia gehts einfach nicht mehr, total abgeschieden, keine Menschenseele weit und breit und eine unvergleichliche Landschaft.

Mit einem lachenden (weil so viele geile Sachen geklettert) und einem weinenden (weil schon wieder vorbei) Auge feierten wir unseren Abschied bei einigen Bierchen und begaben uns am Freitag nach Calgary, wo wir uns noch den Luxus einer Fahrt auf den Calgary Tower gönnten, bevors dann zurück nach Hause ging...

Alles in allem eine eindrucksvoller und unvergesslicher Eiskletter-Trip!

Calgary City
Simon beim Abstieg ins Ghost Valley

Sonnenuntergang nach Hydrophobia

(Fast) geschafft: Am Ausstieg von Hydrophobia

Simon schwingt die Äxte in Hydrophobia

Hechei in Hydrophobia

Besser gehts nicht mehr - Hydrophobia im Ghost Valley

Sonnenaufgang im Ghost Valley

kleiner Hechei in der mächtigen Upper Weeping Wall

Ideales Ziel bei -25°: Die sonnige Weeping Wall

Howse Peak am Icefields Parkway

Sonnenaufgang auf dem Icefields Parkway

Kälte + Karabiner im Mund = eh scho wissen

Team Kanada unterm Borgeau Left

Dienstag, 5. Januar 2010

Canadian Rockies Ice, part 2

Hey buddies!

Wie versprochen, weitere Infos aus dem Holy Land of ICE...
Nach unserem etwas von Blaeunis gepraegtem Ruhetag starteten wir erneut und hochmotiviert ins Ghost Valley, die einzigartige Eisspur von Hydrophobia war unser Ziel. Temperaturen jenseits der -20 Grad Marke hielten uns (vorerst) nicht von unserem Vorhaben ab, wir nahmen den etwas verwickelten Zustieg in Angriff. (In die Irre) geleitet durch unser GPS (danke Tom!) fanden wir einen Weg durch den dichten Wald, jedoch versperrte uns der Nebel jegliche Einsicht auf das Zielobjekt. Als wir dann so im Wald standen um eine kurze Pause einzulegen und wir vom Teetrinken einen satten Oanegl kassierten, beschlossen wir, die Operation Hydrophobia zu vertagen und traten, wiederum perfekt geleitet durch das GPS, den Rueckweg an. Um die lange Anfahrt ins Ghost Valley doch noch ein wenig auszunuetzen, bogen wir noch um die Ecke um uns The Good, the Bad and the Ugly, WI5 einzuverleiben, gootseidank nur eine Seillaenge lang, denn die an sich schon kalte Lufttemperatur und der starke Wind bescherten uns einen Oanegl, wie wir ihn noch nie (wirklich nie) erlebt haben. Dem Eis schien die Kaelte auch nicht so gut zu passen, das ganze war eher sproede bis felsenfest...

Den naechtsten Tag verbrachten wir im Hostel, wiederum Temperaturen unter -20, ach ja, und Hechei fand eine nette Tagesbeschaeftigung - Entschlackungskur! 20 Klobesuche an einem Tag habens ganz schoen in sich...

Tags darauf packten wir unsere Siebensachen und liessen Canmore fuer eine Weile hinter uns, das benzinschluckende Monster, das sich hierzulande "Truck" nennt, brachte uns Richtung Norden, zum Icefields Parkway. Nach 2,5h Fahrt auf dem tiefwinterlichen Highway 93 erreichten wir die weltbekannte Weeping Wall, da direkt neben der Strasse gelegen gerade richtig fuer die bereits fortgeschrittene Tageszeit. 3 manchmal tolle, manchmal nicht so tolle 60m-Seillaengen bescherte uns der Weeping Pillar, 180m, WI5+, und nach 3 eisklettertypischen Abseilmanoevern erreichten wir das Auto bei Einbruch der Dunkelheit. Anschliessend bezogen wir unser Quartier fuer die naechsten Tage im Rampart Creek Hostel - kein Strom, kein fliessendes Wasser, keine Duschen - einfach genial. Man moechte kaum glauben, dass in dieser Einoede eine Sauna mitten im Wald steht, nach einem Eisklettertag eine willkommene Erfrischung.

Eines unserer Hauptziele starteten wir am naechsten Tag - Polar Circus, 700m, WI5 - die wohl bekannteste Eisroute Kanadas. Ueber unzaehlige Stufen und ansprechende Schnee-Traversen gelangt man langsam, aber sicher zu den oberen, steilen Eisstufen, das Ambiente ist einzigartig und die Kletterei vom Feinsten. Schon nach 7 Stunden (gleichzeitiges Robotern mit Tiblocs sei dank) sind wir wieder beim Auto und lassen den Tag bei Bier, Sauna und Gespraechen ueber wesentliche Dinge des Lebens (Klettern) mit kanadischen Gleichgesinnten ausklingen.

Immer noch eishungrig steht am naechsten Tag der Call of Curtain, 150m, WI6, M7+ am Programm. Und der Name verspricht nicht zu viel, es handelt sich wirklich um einen abgefahrenen Vorhang, dessen Ende man ueber eine Mixed-Traverse unter einem gigantischen Dach erreicht. Von Super-Eis ueber Roehren bishin zu Blumenkohl war alles dabei, auch ein kleiner Sturz aus der Mixed-Querung durch Simon konnte uns nicht abhalten... Geniale Tour

Heute wollten wir, immer noch nicht genug, eine Route auf dem David Thomson Highway dranhaengen, diese haben wir jedoch, etwas orientierungslos durch den Wald irrend, verfehlt. Haetten wir doch Tom's GPS dabeigehabt...

Nun sind wir wieder zurueck in Canmore, das Wetter fuer die naechsten Tage schaut vielversprechend und vor allem nicht zu kalt aus - einem letzten Angriff auf das kanadische Eis scheint also nichts im Wege zu stehen...
Wir beide und der Call of Curtain

Simon "Wuidsau" Berger im Call of Curtain

Steiles Eis im Call of Curtain

Der obere Teil von Polar Circus

Im steilen, oberen Teil von Polar Circus


2 wicked guys after Weeping pillar

Verdrehte Welt im Weeping Pillar

World famous Weeping Wall

oschkoit im Ghost Valley

2 Waldgeister mit ihrem Vorbild in den unendlichen Waeldern des Ghost Valley...

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Canadian Rockies Ice, Part 1

Nach dem alljaehrlichen, wunderschoenem und besinnlichen Weihnachtsfest begaben wir uns nach Kanada, um dort den Rest der heiligen Tage etwas besser auszunuetzen, und zwar beim Eisklettern...

Nach einem ueberaus bequemen Flug (erste Reihe, extreme Beinfreiheit, fuer uns wie Business Class) standen wir in Calgary, frostige Temperaturen und richtiger Winter begruessten uns. Unser gemietetes Fahrzeug stand leider nicht zur Verfuegung, dafuer gabs um den gleichen Preis einen richtigen Truck, der sich, wie sich in den naechsten Tagen noch herausstellen sollte, auf jeden Fall bezahlt machen sollte. Mit dem voll beladenem Truck starteten wir Richtung Canmore, unserem Ausgangspunkt fuer die naechsten Tage. In Canmore fanden wir in einem netten Hostel Unterschlupf, wenn da nicht die etwas suspekten room-mates waeren...

Tags darauf deckten wir uns mit dem Notwendigsten fuer die naechsten Tage ein, etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach dem Eiskletterfuehrer, dieser scheint wohl vergriffen zu sein. So starteten wir ohne Fuehrer Richtung Professor Falls (300m, WI4), und fragten uns erstmal, wofuer wir einen 4x4 truck haben, weil eine super Strasse fast zum Einstieg fuehrt - aber: Schranken mit Code. Leider erschien uns der Schranken zu stabil, ein Durchbrechen der ungewuenschten Barrikade mit unserem Truck erschien uns nicht sehr vorteilhaft. Also 1,5 h hatschen... Der Wasserfall war super zu klettern, und 2 nette Kanadier nahmen uns danach mit raus, und wenn wir uns richtig erinnern, haben wir jetzt neben einem Eiskletterfuehrer (der im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert ist) auch noch den Code fuer den Schranken.

Am Sonntag stand ein Besuch der beruehmten Stanley-Headwall an, wo wir mit Nemesis (200m, WI6) den ersten Eisfall dieses Grades weltweit kletterten. Der Zustieg wollte nicht enden, aber die super Kletterei in dieser imposanten Route und die umliegende unberuehrte Wildnis entschaedigen auch fuer den laengsten Zustieg.

Am dritten Tag in Kanda, immer noch eishungrig und bereit fuer weitere Schandtaten, statteten wir dem abgeschiedenen Ghost Valley einen Besuch ab. Eine abenteuerliche Fahrt durch Fluesse und ueber Schneewechten (ein paar mal hatten wir ziemliches Glueck...) brachte uns zum Endpunkt - fuer uns, nicht aber fuer die abenteuerlustigen Kandadier, die sich ihre neuen Trucks bei diversen waghalsigen Flussueberquerungen zu nichte machen (O-Ton eines Betroffenen: "It's just a 15 minute walk into there, but driving in is more fun!" Fuer uns begann hier der Zustieg, mit 1,5h wieder ziemlich lang, aber der erste Blick auf den Sorcerer (200m, WI5) liess uns die mueden Beine gleich wieder vergessen. Die Abgeschiedenheit im Ghost Valley ist schwer zu beschreiben - das letzte bewohnte Haus ist 30km entfernt, man fuehlt sich, als ob man allein auf der Welt waere.

Zurueck in Canmore beschlossen wir, einen Rasttag zu machen und begaben uns gleich mal in die naechste Bar ....

Weitere Infos aus dem Land des Plastik-Eis gibts in Kuerze.
Geschafft, aber happy nach "The Sorcerer"

Hechei (kopflos) in "Professor Falls"

Simon im "Sorcerer"

Kanadisches Selbstzerstoerungskommando im Ghost Valley

Hechei im "Sorcerer"



The Sorcerer



Stanley Headwall - "Nemesis"


Simon in "Nemesis"


Unser "Monster" (und unser Auto)

Samstag, 29. August 2009

Operation Granit oder Operation Verderben?

2 Wochen Urlaub Ende August brachten Bombi und Hechei auf eine sogenannte "Reise zum Granit" - Ziel waren die Klettergebiete im Schweizer Bergell sowie im italienischen Val di Mello. Mit einem vollbepackten, vollbetankten und vor allem noch voll einsatzfähigen JM-Mobil gings auf die erste Station der Reise, das von granithungrigen Kletterern und Boulderern liebevoll "Little Yosemite" genannte Val di Mello. Zwei erstklassige Alpinrouten wurden hier von unseren Händen uns Friends gestopft - der Kosename "Little Yosemite" scheint jedenfalls kein bisschen übertrieben. Von den Rissen und Platten der "Kundalini" (10SL, 6a+) waren wir ja schon hellauf begeistert, aber was tags darauf folgte, stellt so einiges in den Schatten: Die "Luna Nascente" (9SL, 6b) zieht in einer einzigartigen Linie, immer genialen Rissen folgend, gen Himmeln und lässt unsere Kletterherzen überschäumen - einzig und allein die Bohrhaken fehlen hier - und das ist auch gut so... Die Abende gestalteten sich auf Grund der Anwesenheit anderer, namhafter Kletterpersönlichkeiten mit dem Autokennzeichen "KB" als recht amüsant...
Eine vielversprechende Wetterprognose brachte uns kurzzeitig zum Entschluss, dem Granit mal kurz fremdzugehen und uns in den Walliser Gneis zu begeben. Nach einer 7-stündigen Anreise (der kürzeste Weg auf der Karte ist nicht immer der schnellste!!!) stehen wir in Zermatt und schmeißen uns in den fotografierenden, staunenden und vor allem viel-Schweizer-Fränkli-ausgebenden Touristenhaufen und starten Richtung Rothornhütte, und kaum hat man Zermatt hinter sich, schaut die Welt schon anders aus, und dies durchwegs im positiven Sinne. Tags darauf starten wir frühmorgens zum Obergabelhorn (4063m), wo uns schöne Kletterei in Fels und Eis erwartet (bis 50° / III+). Nach einer kurzen Gipfelrast bei gigantischem Panorama gehts zurück zur Hütte, und gestärkt durch ein deftig-köstliches Abendessen und Frühstück gehen wir am nächsten Tag noch das Zinalrothorn (4221m) an. Bei ähnlichen Schwierigkeiten wie am Vortag und ebenfalls bestem Wetter verbringen wir wieder einen tollen Hochtourentag. Nur der Abstieg nach Zermatt zieht sich dann etwas, aber der unten wartende McDonalds beschert uns hierzu die notwendige Motivation.
Anschließend gehts wieder ins Val di Mello, mit Waterlinen, Sportklettern und selbst abzusichernden Risstouren verbringen wir noch einige Tage dort, bevor wir auf die Schweizer Seite des Bergells wechseln. Ein urlaubstaugliches Ziel war gleich gefunden - das Albignatal mit dem gleichnamigen Stausee. Mit Zelt und Co. stopften wir uns in die enge Kabine der Seilbahn, und nach 10min gehen erreichen wir einen herovorragenden Zeltplatz. Rechtzeitig vor Beginn des hereinziehenden Gewitters liegen wir im Zelt, die folgenden 2 Tage versprachen Alpinklettern vom Feinsten. Höhepunkt war sicher die Besteigung der beiden Türme Fiamma und Dente. Nachmittägliche Lunzerei, Badelei, Kocherei und nächtliche Kuscheleien rundeten das Gesamterlebnis perfekt ab.
Nach dem Abbau unseres "Basecamps" begaben wir uns ins nächste Tal, das Bondasca-Tal, Ziel war die Sciorahütte bzw. die "Diretta Integral" auf die Sciora Dafora (22SL, 6c). Frühmorgens gings durch Nebel zum Einstieg, und nach dem obligaten Einstiegs-Stuhlgang starteten wir durch - die ersten 12 SL in 1 1/2 Stunden - gleichzeitiges Klettern und Tiblocs sei dank - ehe wir uns an die oberen, spektakulären Seillängen machen. Nach 5 Stunden stehen wir auf dem über 3000m hohen Gipfel der Sciora Dafora, eine unbeschreiblich schöne Tour in bestem Granit hinter uns. Den gar nicht so einfachen Abstieg schafften wir noch vor unserem Kontrahenten, dem Nebel.


Für die letzten Tage der Woche war entspanntes Sportklettern im Engadin geplant, und dass wir nicht nur klettern können, beweist eine abenteuerliche Ruderbootfahrt auf dem Silser See, aber wie so oft kommt es anders als man denkt: Ein Radlagerschaden beim JM-Mobil setzt dem Urlaub bzw. der "Operation Granit" ein jähes Ende und stürzte uns unerwartet in die "Operation Verderben", doch der ÖAMTC und "Taxi Koala" brachten die Lösung für dieses Problem. So sitzen wir nun zu Hause, voll mit Eindrücken und Erinnerungen von 2 Wochen feinster Alpengaudi und warten auf das irgendwo herumgeisternde JM-Mobil...

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Hasta la vista, Patagonia




So, jetzt haben wir also 4 Wochen in Patagonien verbracht. Ziele hatten wir viele, erreicht haben wir nicht viele. Viel, viel Regen und Wind versuesste uns die Zeit hier, zumindest sind wir jetzt etwas abgehaertet. Geklettert sind wir nicht viel, dafuer aber umso mehr gewandert und getrekkt, das ist wenigstens gut fuer die Kondition.

Wenn wir uns ehrlich sind, sind wir schon ein wenig enttauescht, unser Ziel, den Cerro Torre nicht erreicht zu haben, vor allem, weil wir so knapp dran waren. Aber wir wissen genau, wie Bergsteigen in Patagonien ist, darueber haben sich schon andere, viel bessere Kletterer ein Bild gemacht, Sprueche wie z.B. "Beim ersten mal Patagonien ist Erfolg die Ausnahme und Scheitern die Regel!" oder "Klettern in Patagonien ist wie Sex ohne Orgasmus!" sind das Resultat. Wir haben jedenfalls unser bestes gegeben, und wir wissen genau, dass wir wiederkommen werden, irgendwann. Die Berge hier haben uns auf jeden Fall in ihren Bann gezogen, dass geht jedem so hier. Wenns naemlich mal schoen ist, ists einfach so unglaublich schoen dass all die Tage, wo man nichts von ihnen sieht und der Wind, Regen und Schnee, jegliches Klettern verhindern, vergessen sind.

Unser letzter Versuch startete am Sonntag um 3 Uhr frueh im Bridwellcamp. Wir gingen mit leichtem Gepaeck ins Norwegerbiwak, nahmen dort unser Material auf und stapften schwerbeladen in Richtung Schulter. Der Schnee war teilweise huefttief, das Spuren zehrte an den Kraeften. Nach anspruchsvoller Mixed-Kletterei und wieder batzweichem Schnee erreichen wir nachmittags die Schulter, das Wetter haette nicht besser sein koennen, es war sogar angenehm warm. Nach einer kurzen Pause begannen wir, die ersten Seillaengen zu fixieren, um am naechsten Tag nicht einen "kalten" Kletterstart hinlegen zu muessen. Die Verhaeltnisse waren, verglichen zum ersten Versuch, recht gut, die Risse grossteils eisfrei. In Windeseile waren 3 Seillaengen fixiert, zurueck auf der Schulter schaufelten wir uns ein nettes Biwak zurecht. Die letzten Sonnenstrahlen bescheren uns eine nette Rast bei einmaligem Panorama, wir kochen und trinken viel, sind hochmotiviert. Auch die Nacht verlaueft recht angenehm, es war nicht sehr kalt, und wir schliefen so gut, dass wir sogar den Wecker ueberhoerten. Geplant war, um halb 3 loszuklettern, und wenn uns die norwegische Seilschaft nicht geweckt haette, haetten wir wohl noch laenger geschlafen. Also starteten wir erst um 4, ist ja auch egal. Wir kommen schnell voran, nach einem gigantischen Sonnenaufgang erreichen wir den Banana Crack, etwas spaeter, bereit um 8 Uhr, stehen wir vor Maestris Boltquergang, wir haben ueber die Haelfte der Route bereits hinter uns. Voll Zuversicht schauen wir rauf in Richtung Gipfel, zum Greifen nahe scheint er uns. Nach einem kleinen Sturz von Hechei in der ersten Laenge der Bolttraverse gehts in simultaner Kletterei weiter, doch der scheinbar einfach und schnell zu ueberwindende Quergang nimmt einiges an Zeit in Anspruch - und von hier an beginnt die "Odyssee". Im Minutentakt donnern ab jetzt Eis- und Schneeschollen auf uns herab. Alles, was der Berg waehrend des schlechten Wetters der letzten Wochen abgekriegt hat, kommt jetzt auf Grund der hohen Temperaturen wieder runter, und natuerlich genau auf uns. Hechei trifft eine Eisscholle auf den Kopf, Kopfschmerzen und Schwindelgefuehl sind die Folge. Nach einem anstrengendem, fetznassen Mixed Kamin stehen wir vor einem Wasserfall, und da soll nun die naechste Laenge raufziehen. Hecheis Zustand verschlechtert sich, der Eisschlag hat auch kein Einsehen mit uns, schweren Herzens entscheiden wir uns zur Umkehr. Unsere norwegischen Freunde klettern weiter. Das Abseilen gestaltet sich ebenfalls als sehr umstaendlich, staendig verhaengen sich die Seile, die mittlerweile sicher 10kg wiegen, so vollgesogen mit Wasser, das beim Abseilen immer schoen auf die Hose tropft. Mehrmals muss Hias wieder raufklettern, um die Seile aus Schuppen und anderwertigem seilfressendem Zeugs zu befreien. Und weils so nett ist, trifft noch ein Eisbrocken den armen Hechei, diesmal auf die bereits laedierte Hand. Somit hatte er eben nur noch die Linke zur Verfuegung. Abends erreichen wir die Schulter, die vermeintlich sichere und nicht im Seilhaengenbleib-Gelaende verlaufende Abseilstrecke von der Schulter zurueck auf den Gletscher gestaltet sich auch als nicht so einfach, wieder einmal sind wir auch vom Eisschlag bedroht. Doch schlussendlich erreichen wir das Norwegerbiwak, packen unser restliches Zeugs zusammen und wollen nur noch eins - weg von hier, ins Bridwellcamp zu unseren warmen Schlafsaecken. Wieder einmal uebermannt uns beim Weg raus ueber den Gletscher die Dunkelheit, wir sind zu muede und zu erschoepft um noch weiterzugehen, geschweige denn den Weg durch die Spalten zu finden, also richten wir uns zum Biwak auf einer Seitenmoraene ein......
Die letzten 2 Tag verbrachten wir dann mit Schleppen: Unser ganzes Material inkl. Muell von 4 Wochen musste nach El Chalten gebracht werden. Anstrengend und nicht unbedingt nett, aber konditionssteigernd.
Im Nachhinein betrachtet hatten wir extrem viel Pech bei diesem Versuch: Verschlafen, Seilhaengenbleiben, Eisschlag usw.Bis zum Umkehrpunkt waren wir extrem schnell unterwegs, bis zum Gipfel waerens noch etwa 10 Seillaengen gewesen, vielleicht haetten wir es geschafft, aber unsere Vernunft sagte uns das pausenloser Eissschlag und ein Hechei mit Schwindelgefuehl und starken Kopfschmerzen nicht unbedingt die optimalen Rahmenbedingungen fuer den Gipfelsturm sein wuerden. Das Risiko war uns einfach zu hoch....
Aber wir haben uns an dieser Route versucht, und waren bis zu dem Punkt, wos halt nicht mehr gegangen ist, recht schnell und sicher unterwegs, wir haben diesem geschichtstraechtigen Berg, dem Cerro Torre, einen Besuch abgestattet und dabei alles in unserer Macht stehende versucht und werden wieder zurueckkommen, soviel ist sicher.
Abschliessend moechten wir uns bei allen bedanken, die unser Treiben hier mitverfolgt haben und uns die Daumen gedrueckt haben. Wir freuen uns schon auf unseren Vortrag im Maerz, mit vielen Eindruecken aus Patagonien und vom Klettern daheim - und natuerlich auf viele Besucher.