Freitag, 9. Januar 2009
VISIONEN reloaded
Gezeigt werden Fotos und Videos von unseren Erlebnissen im windigen Patagonien, von sonnigen Bigwalls und Rissklettereien im kalifornischen Yosemite Valley, von harten Zügen beim Sportklettern am Schleier Wasserfall und beim Deep Water Soloing in Mallorca, von alpinen Wänden aus Fels und Eis in der Schweiz, den Dolomiten und im geliebten Koasa, vom senkrechten Tanz im gefrorenen Wasser, dem Eisklettern, von pulvrigen Schitouren und zu guter Letzt vom wunderbaren Spiel mit der Balance, dem Highlinen.
Aber überzeugt euch am Besten selbst und schaut vorbei am 27.03.2009! Anbei, zum "glustig" machen, der Trailer zu "VISIONEN reloaded".
Donnerstag, 8. Januar 2009
Kaiserliches Winter-Gmurgs
Eisklettern KANDERSTEG
Die Rede ist natürlich von Kandersteg im Berner Oberland / CH. Nach einer langen, aber dank voll intaktem (bis zu diesem Zeitpunkt) Jungmannschafts-Mobil recht angenehmen, Anreise erreichen wir am 27.12. nachmittags dieses wunderbare Fleckchen Erde, und nach erfolgter Eindeckung mit lebensnotwendigen Grundnahrungsmitteln (Wurst, Käse, Speck, Brot, Chips und Bier) und einschlägiger Führerliteratur geht’s auch schon zur Sache! Das Topgebiet Oeschinenwald lockt mit dutzenden Eisfällen und einem sehr kurzen Zustieg. Oben angekommen, verwundert uns erstmal die Anzahl der sich herumtummelnden Eiskletterer, soviele Gestalten mit Steigeisen an den Füßen und Mordwaffen in den Händen auf einem Haufen haben wir noch nie gesehen. Die Wahl des ersten Eisfalls fällt nicht schwer, das „Rattenpissoir“ mit Schwierigkeiten bis WI5+ ladet richtiggehend zum Beklettern ein. Gesagt, getan geht’s froh und munter ans Werk, doch nach der ersten geklettereten Seillänge ergibt sich auch schon die erste Panne: Eine Klinge von Hecheis Eisgeräten (zumindest der vordere, spitze und zum sicheren Klettern sehr vorteilhafte Teil) verabschiedet sich ins Eis, für den ersten Tag ist erst mal aus mit Eis. Dem (Eiskletter)Gott sei Dank gibt’s in Kandersteg ein gut sortiertes Sportgeschäft, welches auch Eispickel verleiht.
Nach einem angenehmen Abend mit Fress-Orgien im Bett in unserer überaus sympatischen Pension (Vater, Mutter, Tochter, alle aus Innsbruck) geht’s tags darauf in aller Herrgottsfrüh wieder rauf in den Oeschinenwald. Temperaturen jenseits der 0°-Grenze lassen unserer Bärte (ja, sogar Simons Bart wird bei solchen Temperaturen sichtbar) einfrieren.
Laut Thermometer des bis dahin noch immer intaktem Jungmannschaftsmobils beläuft sich die Temperatur auf klirrende -19°C. Wenn man jedoch ständig in Bewegung bleibt, ist auch dies zu verkraften. Das Ausziehen der Handschuhe ist auf jeden Fall tunlichst zu vermeiden, da daraus ein sofort auftretender, sehr schmerzhafter Oanegl resultiert. „Aufgewärmt“ wird im Klassiker „Arbonium“, WI 5-, traumhaftes, steiles Eis führt über 2 Seillängen zum oberen Stock, wo wir noch die 2 knackigen Längen von „Pingu“, WI5+ dranhängen. Das Eis ist trotz der tiefen Temperaturen super zu klettern, die Kälte spüren wir mittlerweile gar nicht mehr. 4 klassische Eiskletter-Abseilmanöver später (Staudn-Gmurgs usw.) stehen wir wieder am Einstieg, wir haben noch einige Stunden Tageslicht und beschließen, noch was dranzuhängen. Der imposanten Linie der „Haizähne“, WI 5+/6- kann man nach einmaligen Hinblicken kaum mehr Wiederstehen. Nach einer moderaten ersten Seillänge geht’ richtig zur Sache: 2 lange Seillängen durchwegs im senkrechten Eis kletternd sucht man sich einen Weg durch das „Labyrinth“ der Zapfen (Haizähne), das vor Freude überschäumende Eisklettergemüt denkt gar nicht mehr ans Aufhören. Die einbrechende Dunkelheit bringt uns dann zurück auf den Boden der Tatsachen, jetzt sind wir das Ding zwar astrein raufgeklettert, müssen aber, wie leider immer beim Bergsteigen, wieder runter in die Welt der Horizontale.
Dies gestaltet sich im Dunkeln mit nur einer Stirnlampe als gar nicht so einfach, aber schlussendlich erreichen wir wieder unsere Rucksäcke, stopfen die steifgefrorenen Seile und das restliche Glump rein und zischen runter nach Kandersteg, hauen uns in einem heruntergekommmenen Bahnhofsrestaurant die Mägen voll und fahren nichtsahnend Richtung Pension. Plötzlich machts einen Rums und es wird empfindlich kalt im JM-Mobil: Die Fensterscheibe auf der Fahrerseite (Hecheis Seite) hat sich nach unten verabschiedet, ein Herausangeln scheint unmöglich. Unser Vorhaben, am nächsten Tag die berühmte „Crack Baby“, WI 6 an der ebenso berühmten Breitwangflue zu versuchen, bei der ein sehr, sehr früher Start auf Grund der Länge (über 300m) und des Zustiegs (über 2h) sowie der anhaltenden Schwierigkeiten ein absolutes Muss ist, fällt ins Wasser, es gilt stattdessen einen Mechaniker aufzusuchen um den Schaden zu beheben.
Die Reperatur geht zügig von Statten, kostet gar nicht so viele „Fränklis“ wie befürchtet, und um halb 11 sind wir wieder zurück in Kandersteg und stapfen in richtung Staubbachfälle. Eine Stunde später stehen wir am Einstieg von „Blue Magic“, WI 5+, mit 200m auch nicht gerade ein kurzer Eisfall. Auch dieser Fall begeistert mit anhaltender Steilheit und Ausgesetztheit, einem gewaltigen Ausblick und großteils besten Verhältnissen. Einziges Manko: Trotz der tiefen Temperaturen rinnt einiges an Wasser über den Fall herunter, das Nasswerden ist kaum zu verhindern. Wieder einmal erschweren die steifgefrorenen Seile das Abseilen, doch nach so einem „Eiskletterschmaus“ ist man ja bereit, so einiges wegzustecken.
Ein Blick aus der Ferne in Richtung „Crack Baby“ und die vielen Wasserfälle, die noch stark rinnen, begraben den Plan der Begeheung dieses Klassikers fürs Erste. Ein Wasserfall dieser Länge und schon in der ersten Seillänge klitschnass werden, das ist wohl keine gute Kombination. Die letzte Tour des Trips wird der „Almenalpfall“, WI 4, 280m die Beschreibung im Führer „…der obere Teil liegt ab dem späten Vormittag in der Sonne.“ lässt uns wohlig warm ums Herz werden. Eine bereits ober uns kletternde Seilschaft beschert Simon eine rassige Mixed-Einstiegsvariante, oben geht’s dann über mäßig steiles, „genußverdächtiges“ Eis Richtung Ausstieg. Eine nette Abseilfahrt an dünnen Jungfichten, Latschen und Eissanduhren bringt uns wieder zurück zum Auto, und nach 3 ½ grandiosen Klettertagen und vielen genialen Metern im Eis von Kandersteg treten wir die Heimreise an.
Donnerstag, 4. Dezember 2008
Hasta la vista, Patagonia
Samstag, 29. November 2008
Eisklettern 07/08
Wenn man sich aber erst mit der Materie Eis angefreundet hat, Vertrauen in die Absicherung mit Eisschrauben gefunden hat und sich die Hände schön langsam an die eisige Kälte gewöhnt haben, wird das Eisklettern zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Mittwoch, 26. November 2008
Pleiten, Pech und Pannen
So, wieder mal ein Update aus dem tollen Patagonien. Hinsichtlich bergsteigerischer Erfolge hat sich nicht viel, besser gesagt nichts, getan, aber man kann auch ohne Klettern und Gipfelerfolge so einiges erleben hier im Land des Windes. Nach unserem letzten "Relax-Aufenthalt" in El Chalten sind wir voller Tatendrang zurueck ins Bridwell-Camp, doch schon auf dem Weg hinauf wurden wir wieder mal vom Wetter ueberrumpelt. Schneefall und, wie immer halt, starker Wind begleiteten uns hinauf. Dann war erst mal Zeltlunzen angesagt, nicht mal zum Pinkeln wollten wir raus, so mies war das Wetter. Doch so schnell wie das Wetter ins Schlechte umschlaegt, so schnell gehts auch wieder ins Gute, so konnten wir zumindest mal aus dem mittlerweile bereits klaustrophobische Zustaende hervorrufenden Zelt hinaus und uns etwas die Fuesse vertreten, ein wenig Slacklinen und bloed in der Gegend herumwanken. Auch das Kartenspiel, insbesondere das Schnapsen haben wir zum Zeitvertreib sehr liebgewonnen, viele Trekker hier koennes einfach nicht glauben, dass wir bei Sturmboen hinter einem windgeschuetzten Block sitzen und Karten spielen. So verbringen wir 3 Tage bei wechselhaftem Wetter im Bridwell-Camp, von den umliegenden Bergen ist nicht viel zu sehen, aber schaut man Richtung El Chalten, scheint die Sonne und nur wenige Wolken bedecken den Himmel - einfach schraeg. Damit wir den Anblick der Torres nicht ganz vergessen, haben wir Sie, so gut es moeglich war, in Modellform nachgebaut, schauen wir halt da drauf, ist ja auch was. Ab Montag Nachmittag bis Dienstag nachts war dann lt. Internetwetterbericht halbwegs passables Wetter vorhergesagt, zwar mit viel Wind, aber sonnig. Das wir in der Kompressorroute an einem Tag nichts verloren haben, war uns von vornhinein klar, also musst ein Ausweichziel her. Die Entscheidung fiel schlussendlich auf den kleinsten der Torres, den Cerro Standhart. Diesen gedachten wir ueber die Route "Exocet" zu erreichen, grossteils Mixedkletterei und ein 300m langer Wasserfall-Kamin mit Schwierigkeiten bis 5.9 / WI5+. Laut Aussage einiger lokaler Kletterer eine echt geile Tour, nicht allzu lang und optimal vom Norwegerbiwak, wo ja unser Material so vor sich dahinvegetiert und endlich mal verwendet werden will, in einem Tag zu machen. Unser Wetterfrosch Karl Gabl gab uns jedoch eine etwas andere Prognose, welche dann schlussendlich auch die richtige war: Besserung erst am Dienstag, und Einbruch schon am Abend. Na super! Trotzdem wollten wirs versuchen, starteten um 4 nachmittags Richtung Norwegerbiwak, extremer, wirklich extremer Wind erschwerte uns das Gehen, sodass wir trotz des leichten Gepaecks erst nach 5 Stunden das Norwegerbiwak erreichten. Teilweise war Gehen auf allen Vieren angesagt, der Regen peitschte waagrecht, manchmal sogar von unten, auf uns ein. Aber wir hatten zumindest die Hoffnung, oben im Norwegerbiwak ein nettes, windgeschuetzes Plaetzchen unter einem Felsen beziehen zu koennen, von denen dort oben 2 vorhanden sind. Doch beide waren bis obenhin mit Schnee vollgestopft. Kein Problem, dachten wir uns, wir sind ja nicht bloed und haben fuer solche Faelle eine Schaufel mitgebracht. Also ausschoepfen die Scheisse. Das funktionerte auch recht gut, zumdindest fuer ein paar Zentimeter, dann wich der Schnee einer pickelharten Eisschicht, schlicht und einfach unmoeglich zu entfernen. So standen wir nun da, Sturm und Regen, kein geschuetzter Biwakplatz, kein Zelt, leicht durchnaesst, das Wetter schien auch kein Einsehen mit uns zu haben, der Sturm wurde eher noch staerker. Die Entscheidung fiel dann auf den Rueckweg ins Bridwell Camp, eine nette Gletscherwanderung in der Dunkelheit. Beim Abstieg vom Norwegerbiwak, mitten im Blockgelaende wurde Hechei dann Opfer des patagonischen Windes. Eine starke Windboe, ein unachtsamer Augenblick und es ging im Purzlgagl hinunter. Die abstuetzende rechte Hand ist heute noch ziemlich geschwollen - vom Pech verfolgt sozusagen. Um 1 Uhr in der Frueh erreichen wir dann das Basecamp, und nach einer Fressorgie gings ins Reich der Traeume. Am naechsten Tag wussten wir zumindest, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Es war zwar sonnig und warm, aber oben schien der Wind in seiner vollen Macht zu wueten, die Wolken flogen uns nur so entgegen. Und weils fuer die naechsten Tage auch nicht besser ausschaut und wir wieder mal die Schnauze voll hatten vom Zeltleben, begaben wir uns also gestern - wieder mal - runter nach El Chalten, assen uns - wieder mal - gehoerig den Wanst voll, tranken - wieder mal - mehr als nur ein Bier und gammeln nun - wieder mal - bis zur erhofften Wetterbesserung hier unten rum.
Noch eines gibts zu berichten aus Patagonien: Der Trip nimmt langsam aber sicher die Ausmasse einer Materialschlacht an, das zeigte uns zumindest die bisherige Statistik von kaputtgegangenem oder vom Wind davongetragenen Material: Ein Zelt, 2 Helme, 2 Rucksack-Regenschutzhuellen, ein Fotoapparat, einige Karabiner, eine Trittleiter, ein Firnanker, zahlreiche Loecher in den Ueberhosen - bleibt zu hoffen dass sich die Statistik nicht noch explosionsartig nach oben vergroessert. Auch in physische Hinsicht gibts die ersten Verschleisserscheinungen: Hias hat 2 taube Zehen, Hechei eine geschwollene Hand. Und auch psychisch nagt das Warten und die staendigen Misserfolge langsam, aber sicher. Aber auf das haben wir uns wohl vorsaetzlich eingelassen, als wir das Flugzeug betreten haben.
Dafuer sind wir in El Chalten umso erfolgreicher: Viele hier kennen uns bereits, viele Gratis-Biere resultieren daraus, auch der schwedischen Snues-Industrie haben wir einen neuen Markt eroeffnet, seit neustens sieht man ueberaus viele dicke Oberlippen hier in El Chalten. Die Einheimischen scheinen das Zeug wohl zu moegen. Und was solls, noch haben wir ja ungefaehr eine Woche, und das wird doch wohl nicht zu viel verlangt sein, einmal fuer 2 Tage hundsnormales, schoenes Wetter zu haben, denken wir uns halt, aber Patagonien wird da wohl anders denken..........................
Freitag, 21. November 2008
Patagonien ist anders
Erstens kommt es anders - und zweitens als man denkt. Lt. allgemeiner Wetterprognose und unserem Wetterfrosch Karl Gabl sollte der Sonntag noch schlecht sein, Montag und Dienstag und Mittwoch dafuer 100%ig. Also sah unsere Strategie folgendermassen aus: Start am Montag auf die Schulter zum Fixieren der ersten Seillaengen, Biwak auf der Schulter un am Dienstag voll durch. Doch Patagonien bzw. dessen verdammtes Wetter machte uns einen Strich durch unsere bei unzaehligen Bieren wohldurchdachte Strategie: Der Sonntag war auch schon wunderschoen, doch nach hinten raus schien das Schoenwetterfenster immer kleiner zu werden, schon am Mittwoch sollte es wieder patagonisch werden. Also beschlossen wir aus dem Stehgreif heraus, bereits am Sonntag Nachmittag direkt von El Chalten zu starten. Das heisst im Klartext: 2 Stunden ins Bridwell-Camp, 4 Stunden von dort ins Norwegerbiwak zum deponiertem Material und nochmals 4 Stunden auf die Schulter zum Einstieg und von dort ohne Pause weiterklettern. Eine "Harakiri"-Strategie, aber das beschissene Wetter zwingt zu solch verwegenen Taktiken. Fazit: Strategien und Plaene in Patagonien sind fuer die Fische, weils sowieso anders kommt. Gesagt, getan, so starten wir und die Ischgler Martin und Christian unseren Run, erreichen bereits um 9 am Abend das Norwegerbiwak, wo uns, besonders Hias und mich, eine boese Ueberraschung erwartet: Das am Donnerstag aufgestellte Zelt ist nicht mehr da! Wir finden es 100 Meter weiter unten, komprimiert auf ein schoenen kleinen Haufen. Das Material war gott sei Dank noch alles da und verwendbar, aber das Zelt ist, um es ganz einfach auszudruecken, voll im Arsch. Na super, also im Freien uebernachten ab jetzt. Nachdem wir uns eine Kleinigkeit gekocht haben und uns fuer 2 Stunden in die Horizontale begeben wollen, bevors wieder los geht, kommt auch schon die naechste boese Ueberraschung: Ich werde von einer nicht enden wollenden Kotzattacke heimgesucht, die Nebenerscheinungen wie Schuettelfrost (super angenehm bei eh schon eher kalten Biwaks) und Durchfall geben mir schlussendlich den Rest und ich kann, schon allein um meinen Kumpels nicht die Chance auf den Gipfel zu nehmen und uns nicht alle in Gefahr zu bringen, nicht mitkommen. Schweren Herzens schaue ich den anderen hinterher, wie sie um kurz nach Mitternacht in Richtung Schulter starten (mittlerweile ist der Grund dafuer bekannt: Das Wasser in den Hostels von El Chalten ist nicht unbedingt zum Drinken zu Empfehlen. Jetzt wissen wir das auch, man wird ja immer schlauer....). Im Dunkeln klettern Hias, Chris und Martin ueber das teilweise heikle kombinierte Gelaende auf die Schulter, welche sie puenktlich zu Sonnenaufgang erreichen. Eine gewaltige, eindrucksvolle Stimmung herrscht dort oben, der Blick hinunter auf den Gletscher und den Lago Torre - einfach ueberwaeltigend. Doch fuer das Sammeln landschaftlicher Eindruecke bleibt wenig Zeit, die Kletterei beginnt. Die jetzt folgenden Seillaengen sind, so schauts zumindest aus, nicht sehr schwer, aber wie so oft kommts halt wieder mal anders. Um es mit den Worten von Hias zu sagen: So beschissene Verhaeltnisse, jeder scheiss Riss is eigschniem oder vereist, wenns wos legen wuist, muast zeascht auskrotzen, und staendig wechseln vo Steigeisen auf nit Steigeisen und vo Pickel auf Bratzen, es is zum Kotzen. So vergehen die Stunden, jede einzelne Seillaenge nimmt extrem viel Zeit in Anspruch, die zugestopften Risse und der Anraum machen das Klettern zur Eierei. Nach der Bolt-Traverse und einem heiklen Mixed-Kamin uebermannt die Dunkelheit die 3 Jungs, ein Weiterklettern scheint angesichts der Tatsache, dass Sie jetzt seit 30 Stunden nonstop unterwegs sind unmoeglich, also gibts ein angenehmes Biwak in der Wand. Hias bekommt ein sauenges und abfallendes Schneeband, so gut es geht richtet er sich fuer die Nacht ein. Staendig kommen kleinere Schneelawinen runter, an richtigen Schlaf ist nicht zu denken. Tags darauf hat das Wetter dann umgeschlagen: Leichter Schneefall und aufkommender Wind stellen Hias, Chris und Martin vor eine schwere Entscheidung. Schlussendlich hilft nur mehr der Rueckzug, 2/3 der Wand waren bereits geschafft, sie hatten die Headwall vor Augen. Das Abseilen gestaltete sich auf Grund der stark laedierten Seile als moralische Herausforderung, zurueck auf der Schulter war dann nicht mehr viel uebrig von den Seilen. Am Dienstag bei Einbruch der Dunkelheit, nach fast 60 Stunden Hatschen, Kraxln und Murgsen in den Beinen erreichen Sie das Bridwell Camp, wo ein etwas besorgter Hechei erst mal aufatmet...
Zurueck in El Chalten wird wieder mal gegessen bis zum Anschlag und ein wenig (aber nur ein klein wenig) ausgegangen, das ist gut fuer die Moral. Nach und Nach verlassen die Kletterer Patagonien, eigentlich alle ohne Erfolge, die letzten Wochen waren echt scheisse, und das letzte Fenster konnte auf Grund der durch das pausenlose Schlechtwetter nicht gerade passablen Verhaeltnisse nicht so richtig genutzt werden. Auch fuer die Ischgler Martin und Chris ist der Zug vorzeitig abgefahren, sie werden Ende der Woche heimreisen. Hias und mir bleiben noch 2 Wochen, der Versuch von Hias bringt uns jetzt extrem viel, es gibt vieles das wir besser machen koennen. Sobald sich das naechste Fenster aufmacht, werden wir mit neuer Taktik (leichter und hoffentlich schneller) wieder angreifen, aber wie schon gesagt: Patagonien ist anders...................
Freitag, 14. November 2008
Update der mutierten Wanderer
Wir sind hier in Patagonien von Kletterern zu Wanderern mutiert - taegliches Wandern, seis runter nach El Chalten oder rein ueber den Gletscher zum Norwegerbiwak, wir wandern. Bezueglich Wetter gibts auch einiges zu berichten: Also entweder es ist total nass, und dann wird wirklich alles nass, oder es blaest der Wind dass man kaum mehr stehen kann und auf allen Vieren gehen muss (ehrlich, wir habens auch nicht geglaubt, aber es ist so), oder es ist schoen, und dann ists aber gleich so wunderschoen, dass man vor Staunen kaum mehr den Mund zukriegt. Und zu guter letzt: Es kann rund um einen herum das schoenste Wetter sein - der Torre haengt meistens in Wolken. Gestern sind wir bei anfangs passablen Wetter Richtung Norwegerbiwak, dem Ausgangspunkt bzw. Materialdepot fuer den Gipfelsturm, gestartet. Wir haben uns mit zwei Ischglern, welche auch den Torre ins Auge gefasst haben, zusammengetan und probieren es ab jetzt zu viert. Zuerst gehts ueber den Rio Fitz Roy (mittels Tyrolean Traverse) und entlang des Lago Torre in einen Wald, besser gesagt Urwald. Ueppige Vegetation, viele kleine Baechlein und Wasserfaelle lassen erst mal nicht vermuten, dass einige Meter weiter vorne bzw. unten der Gletscher beginnt: Verruecktes Patagonien. Ueber den Gletscher gehts dann schier endlos flach ins Torre-Tal hinein, vorbei am El Mocho und dahinter steil hinauf ins Norwegerbiwak, welches nach 5 Stunden Schlepperei erreicht ist. Ein netter Schneesturm erwartet uns dort oben und erschwert das Aufbauen der Zelte. Die bereits deponierten Vorraete der Ischgler wurden Opfer von hungrigen Maeusen, man fragt sich, was die wohl da oben in Eis und Schnee verloren haben bzw. von was die sich sonst so ernaehren. Nach einem Mittagessen und einem Lunzer im Zelt, der Sturm wiegt uns sprichwoertlich in den Schlaf, muss Hias mal kurz aufs Klo - und wenn er nicht rauswaere haetten wir vermutlich das folgende, gigantische Schauspiel versaeumt: Die Wolken lichteten sich, nach und nach wurden die umliegenden Berge frei, schlussendlich dann auch der Cerro Torre - ein ueberwaeltigender Anblick. Die vorherrschenden Verhaeltnisse in der Wand waren jedoch alles andere als super: Da oben schaute es eher nach Winter aus, ueberall Pressschnee an der Wand, und auch der Zustieg zur Schulter schien stark eingeblasen zu sein und daher sehr lawinengefaehrlich. Unser Wettergott Hr. Gabl gab noch dazu die Prognose ab, dass in den naechsten Tagen starke Winde vorherrschen und das Wetter bereits im Laufe des Samstags zusammenbricht, bevors am Montag und Dienstag richtig schoen sein soll. Also beschlossen wir, den Rueckmarsch ins Tal anzutreten, unsere Zelte samt Klettermaterial und Vorraete obenzulassen und naechste Woche mit leichtem Gepaeck wieder aufzusteigen. Etwas wehmuetig, weil staendig den selten sichtbaren Cerro Torre im Ruecken, mussten wir bei schoenstem Wetter ins Basecamp zurueckkehren. Einziger Wehmutstropfen: Ein festliches Mahl mit Wuersteln und Speck und alles was das ausgehungerte Klettererherz (eigentlich Wandererherz) begehrt. Jetzt sind wir zum nunmehr vierten mal den Weg nach El Chalten runtergewandert, hauen uns wieder mal ordentlich den Wanst voll, trinken wieder mal einige Biere - laden sozusagen unsere "Batterien" auf. Hoffentlich hauts dann naechste Woche hin... Also ab jetzt heissts fuer euch daheim: Daumen druecken!!!