Donnerstag, 28. Mai 2009

Ackerlspitze "Berglerweg"



Eine im wahrsten Sinne des Wortes "kaiserliche" Wetterprognose und ein unbändiger Drang nach so wirklich alpinem Gelände führte uns (Lisi K., Simon B. und Christian H.) letztes Wochenende an den Fuss der mächtigen, 800 Meter hohen Ackerlspitz-Südwand. Unser Ziel war der selten begangene "Berglerweg", mit Schwierigkeiten bis 6 zwar nicht allzu schwer, aber: Faktoren wie Länge, teils fragliche Gesteinsqualität, spärliche Absicherung und nicht all zu leichte Routenfindung machen das Ganze zu einer anspruchsvollen alpinen Unternehmung.

Gleich zu Beginn gab's auch schon ein unvorhergesehenes, hoffentlich auch ungewolltes Ereignis: Die über Jahrtausende andauernde Ruhe und Seßhaftigkeit eines Steins der Kategorie ">3 Kilo" fand, hervorgerufen durch die unendliche Armkraft des Simon B., ein jähes Ende. Der Stein trat die Reise nach unten an, und nach 15m stellte sich ihm dabei ein unschuldiger, wehrloser Christian H. in die Quere. Dass ließ sich der erboste Stein natürlich nicht gefallen und bescherte oben genannten Christian H. :
1) einen ordentlichen Schock
2) eine ordentliche Schramme inkl. Schwellung an der Schulter
3) mögliche, bleibende Folgeschäden physischer sowie psychischer Natur

Des weiteren wurde auch die noch unschuldigere und wehrlosere Lisi K. voll in die Misere geritten: Aufgrund des Schocks und eines Selbst-Checks von Christian H. musste Lisi K. ihr obligates Standgelunze abbrechen und die Sicherungsmaßnahmen für den Verursacher des Desasters, Simon B. übernehmen. Danke Simon!
Nichts desto trotz klettern wir weiter, stets in "landschafltich eindrucksvoller Umgebung", meist auf nicht bombenfesten Gestein, ganz frei nach dem Motto "das Gesamterlebnis zählt". Brüchig, dreckig und so manch andere Gesteinseigenschaft die das Kletterherz eben gar nicht jauchzen lässt wechselt sich ab mit "schöner Kletterei in bestem Fels", der Spass kommt auch nicht zu kurz, Stände werden gebaut, Seillängen zusammengehängt und Steine losgetreten - das tägliche Brot bzw. der Alltag des Alpinkletterers sozusagen.

Am Rebitschfinger vorbeikletternd gelangen wir auf den Grat Richtung Gipfel, noch eine Steilstufe mit wunderbaren, ganz schön knackigen Seillängen und der Weg zur Ackerlspitz ist frei. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast und einer teils zum Schmunzeln anregenden Gipfelbuchlektüre treten wir die "Talfahrt" an. So ein Tag macht natürlich hungrig, was wäre da also passender als ein gesundes, energie- und kalorienspendendes Menü beim McDonalds....

Mittwoch, 13. Mai 2009

Termine Sommer 09


Es ist ja allseits bekannt, dass der Altersschnitt der Jungmannschaft in beängstigend hohe Dimensionen fortgeschritten ist. Wenn das so weitergeht, wirds uns nicht mehr allzu lange geben. Und irgendwer soll ja mal unser fettes Jungmannschafts-Sparbuch erben.

Um diesen Alterschnitt wieder in Bereiche zu bringen, welche das Prädikat "JUNGmannschaft" verdienen, wären jetzt die vielen jungen Kletterer und -innen gefragt, welche ja fortlaufend in den Klettergärten der Umgebung anzutreffen sind und somit, zumindest allem Anschein nach, dem Kletter- und Bergsport nicht ganz abgeneigt sind.

Auch wenn jemand noch nicht so fit in Fels, Eis und Schnee ist, mit solch kompetenten und erfahrenen (weil alten) Noch-Jungmannschaftsmitgliedern wie uns ist dies ohne größere Probleme zu erlernen. Eins sollte ergänzend dazugesagt werden: Der Spass, das Beisammensein und die Alpengaudi stehen natürlich klar im Vordergrund!

Das Programm für diesen Sommer (natürlich gehen wir auch sonst klettern, nicht nur zu unten genannten Terminen, und auch spontanen Anregungen zu diversen Aktionen oder Wochenendfahrten sind wir keinesfalls abgeneigt):

Sonnwendfeuerbrennen auf Regalpturm, Regalpspitz, Hochgrubach - Sa, 20.06.
Wochenende auf der Wildangerhütte: Gemütliches Beisammensein und zünftige Koasatouren / 15. - 16.08.
Alpinklettern Chamonix/Mont Blanc-Gebiet: ca 4-5 Tage Ende August / Termin wird noch bekanntgegeben
Alpinklettern Dolomiten: ein Wochenende im September / Termin und genaueres Ziel werden noch bekanntgegeben
Sportklettern in Ceredo: Italienisches Spitzenklettergebiet in der Nähe von Arco / 24. - 26.10.

Für nähere Infos bitte bei Hias oder Hechei melden (unsere Telefonnummern wollen wir aus Angst vor Stalkern hier nicht veröffentlichen)

Montag, 6. April 2009

Skitouren im Monte Rosa-Gebiet








Am Donnerstag, 02.04.09 um 01:00 in der Nacht machte sich eine schlag(bzw. trink-) kräftige 12-köpfige Truppe unter der Leitung des allseits bekannten, ehemaligen Jungmannschaftsmitglieds (jetzt Altmannschaft) Hone auf den Weg Richtung Westen. Das geographische Ziel der Reise war das Monte-Rosa Gebiet, das wissenschaftliche Ziel war es, die Höhentauglichkeit unter Berücksichtigung gewisser Störfaktoren (Alkohol,…) von Jungmannschaftsmitgliedern zu testen. Die Versuchsobjekte der Jungmannschaft (Hias, Hone, Bombi, kloa-Hechei, Chris, Stoffl, Andi, Hechei) wurden hierbei durch ihren Begleittrupp (Klaus, Christian, Robi und Andreas D.) unterstützt.


Der Begleittrupp stellte in selbstloser Manier die fahrbaren Untersätze, und somit bildeten sich die Teams „VW-Busei“ mit Chaffeur Andreas D., „Sharan“ mit Klaus, und „Kleinwagen“ mit Christian. Nach 7-stündiger Fahrt erreichen wir Alagna, unseren Talort, die Enttäuschung über den strömenden Regen ist vorerst natürlich riesengroß. Doch nach einem Cappuchino und hervorragenden Paninis im Dorf-Cafe steigt die Motivation, vielleicht ist’s ja oben schöner, oder evt. wird’s sogar besser am Nachmittag, und somit zahlen wir die geradezu läppischen 18€ und lassen uns bequem per Bahn nach oben schaukeln. Dort angekommen lächelt uns die Bergstations-Buffet-Dame etwas schelmisch an und die Enttäuschung ist dann nochmal größer: Sicht gleich null, ½ Meter Neuschnee und Wind, keine optimalen Bedingungen also für den Hüttenzustieg, und nach diversen Snacks und etwas Rotwein treten wir schweren Herzens die Talfahrt an (irgendwann ereilte uns das dumpfe Gefühl, dass die nette Dame vom Buffet von Anfang an wusste, dass das heute nichts wird). Den angebrochenen Tag wussten wir gut auszunützen, bei noch mehr Panini, Rotwein und Bier. Eine luxuriöse Bleibe für die Nacht inklusive Hotelbar war auch gleich gefunden, und somit verlagerten sich die Aktivitäten in Richtung Hotelbar, diese wurden von den Meisten unter uns zu später Stunde, aber voooollllkommen nüchtern verlassen. Der Regen prasselte immer noch in Strömen auf uns nieder, einige dachten schon an die Heimreise.


Doch es kommt halt immer anders (in diesem Fall sogar im positiven Sinne): Am Freitagmorgen hörte es zu regnen auf, und die Wolken machten den erten blauen Flecken platz. Also gings mit schweren Köpfen nochmals per Bahn nach oben, und dem Zustieg zur Hütte stand nichts mehr im Wege. Schwer beladen meisterten wir die 1000Hm zu unserer Bleibe, der Mantova-Hütte. Oben angekommen wurde der unnütze Ballast verstaut und kurz gerastet, und mit deutlich leichteren Rucksäcken aber auch schon etwas schwereren Beinen peilten wir die Vinzent-Pyramide (4215m) an. Die 700Hm dorthin hattens ganz schön in sich, doch am späten Nachmittag erreichten Hias, Andi, Andi D., Klaus, Christian, Hone, Robi und Hechei den höchsten Punkt. Ein gewaltiges Panorama und eine Abfahrt im fast unverspurten Pulverschnee ließen unsere Herzen höher schlagen, und nach einem ausgiebigen Abendessen und abenteuerlichen Toiletten-Manövern (auf Grund des Hüttenumbaus war nur eine, etwas verstopfte Toilette vorhanden) im näheren Umkreis der Hütte gings in die Kojen, und nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht (auf diesem Weg möchten sich Hone und Hechei nochmals bei Andreas D. für die musikalische Umrahmung während der Nacht bedanken) starteten alle frisch und munter in einen strahlend-blauen Tag.



Bombi, kloa-Hechei und Chris bestiegen die Vinzent-Pyramide (4215m), das Balmenhorn (4167m) und die Parrotspitze (4436m). Der Rest der Gruppe erklomm die Zumsteinspitze (4563m), die Signalkuppe (4554m), die Parrotspitze (4436m), die Ludwigshöhe (4342m) und das Balmenhorn (4167m). Nach einer abermals stark staubenden Abfahrt treffen wir uns auf der Mantova-Hütte und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Die zweite Nacht verlief weitaus erholsamer, die musikalische Umrahmung (Schnarchen) des Andreas D. hielt sich diesmal in Grenzen. Unser letzter Tag begrüßt uns vorerst mal mit Nebel und leichtem Schneefall, was uns zu dem verhängnisvollen Entschluss führt, die Abfahrt ins Tal anzutreten. Im Tal angekommen, zeigt sich das Wetter aber wieder von seiner besten Seite, der Blick nach oben lässt bei dem einen oder anderen etwas Unmut über die voreilige Entscheidung aufkommen. So traten wir also zu Mittag die Heimreise an, und im Großen und Ganzen war dann doch jeder mit den vorangeganen 2 Tagen zufrieden und das vielseite Wochenende im Monte-Rosa-Massiv wird allen in bester Erinnerung bleiben.






Samstag, 28. März 2009

VISIONEN reloaded

So, es ist vollbracht! Gestern ist unser zweiter Vortrag erfolgreich über die Bühne gegangen. Knapp 600 Besucher füllten den Kaisersaal bis auf den letzten Platz!

Es war sicher wieder ein ganz besonderes Erlebnis für uns, eine Herrausforderung der anderen Art (mal nicht am Berg, sondern im Tal).

Wir möchten uns auf diesem Wege bei all den Besuchern bedanken, vor allem für die vielen Lobworte und das durch die Bank positive Feedback!

Nach dem Vortrag wars noch nicht vorbei, die Bar wurde regelrecht gestürmt, was ziemlich sicher auf die großteils weibliche Besetzung des Barteams zurückzuführen ist.

Und wer weiss, vielleicht setzt sich wieder die eine oder andere VISION in unsere Köpfe, und es gibt in den nächsten Jahren eine Fortsetzung.................................................................................

Freitag, 9. Januar 2009

VISIONEN reloaded

Am Freitag, 27.03.2009 um 19:30 ist's wieder soweit: Simon, Hias und Hechei geben ihren zweiten Multivisions-Vortrag im Kaisersaal / St. Johann in Tirol zum Besten. Nach dem Erfolg - vor allem aber auf Grund des durchwegs positiven Feedbacks der Besucher - unseres ersten Vortrags "VISIONEN" im März 2007 war uns allen sofort klar: Wir machen wieder einen! Die Arbeiten dazu laufen bereits auf Hochtouren - Videos schnippeln, Fotos sortieren usw.......

Gezeigt werden Fotos und Videos von unseren Erlebnissen im windigen Patagonien, von sonnigen Bigwalls und Rissklettereien im kalifornischen Yosemite Valley, von harten Zügen beim Sportklettern am Schleier Wasserfall und beim Deep Water Soloing in Mallorca, von alpinen Wänden aus Fels und Eis in der Schweiz, den Dolomiten und im geliebten Koasa, vom senkrechten Tanz im gefrorenen Wasser, dem Eisklettern, von pulvrigen Schitouren und zu guter Letzt vom wunderbaren Spiel mit der Balance, dem Highlinen.

Aber überzeugt euch am Besten selbst und schaut vorbei am 27.03.2009! Anbei, zum "glustig" machen, der Trailer zu "VISIONEN reloaded".


Donnerstag, 8. Januar 2009

Kaiserliches Winter-Gmurgs

Hechei’s 25. Geburtstag war heuer der Anlass einer netten, rassigen Koasa-Skitour (ehrlich gesagt auf Grund der Schneeverhältnisse eher ein kaiserliches Wintergmurgs, aber was solls, es zählt ja das Gesamterlebnis) mit hochprominentem Starterfeld: Hias alias Leal, Simon alias NepNep, Bombi alias Bueno und kloa Hechei alias s’Briadal und dem Geburtstags-Hechei alias Rechei. Gestartet wurde auf der Wochenbrunneralm, über feinsten Harsch, der so manch einen von uns zum Ausziehen der Schi und Stapfen zwang (selber schuld, das nächste mal Harscheisen mitnehmen) geht’s Richtung Goinger Scharte, eine heikle Abkletterpassage in der zur Scharte führenden Rinne und etliche „Herrlich“ bzw. „na kod bärig“- Rufe später stehen wir am ersten Ziel unserer Runde. Abfellen, Helm auf, a bissl essen und trinken, und schon geht’s wieder weiter. Die Abfahrt ins Griesner Kar gestaltete sich auf Grund des extrem harten Schnees als gar nicht so genüßlich wie erwartet, aber wie bereits erwähnt: Das Gesamterlebnis zählt. An der Abzweigung zum Weg Richtung Stripsenjoch angekommen heißt’s wieder auffellen und rauf auf’s Stripsenjoch. Auch hier müssen die Schi wieder auf den Rucksack gepackt werden, himmehargottszeitnnachamoina. Nach einer anständigen Jause und der obligatorischen Zigarette vom Bombi fahren, nein murgsen wir, über den immer noch beschissenen Schnee in Richtung Kaisertal ab, der Steig in Richtung Hoher Winkel ist im Winter und bei leichter Vereisung gar nicht mehr so leicht wie er im Sommer scheint. Doch auch dies kann 5 hochmotivierte, zu allem entschlossenen Jungmännes und Bergretter nicht aufhalten, und kurze Zeit später kleben die Felle wieder auf den Schiern und wir steigen unter der Totenkirchl-Westwand in Richtung Kopftörl auf. Der Tag geht langsam zur Neige,das Licht der Abendonne gibt der Umgebung etwas Besonderes. Die letzten Meter hinauf ins Kopftörl haben’s noch mal in sich, steil und im pickelharten Schnee geht’s hinauf. Im Kopftörl angekommen empfängt uns ein eisiger Wind und eine imposante Stimmung, die Sonne steht schon sehr tief, höchste Zeit, dass wir runterkommen. Der Steig runter vom Kopftörl gestaltet sich als äußerst heikel, Steigeisen wären bei diesen Bedingungen eine große Hilfe. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das Ende des heiklen Geländes und cruisen (murgsen) im Schutz der Dunkelheit runter zur Gruttenhütte und wieder zurück zur Wochenbrunneralm, wo ein gebührender Tagesausklang bei einer kleinen Stärkung, einigen Bieren und den üblichen Gesprächen stattfindet.

Eisklettern KANDERSTEG

Sozusagen als „Jahresausklang“ begaben sich Simon und Hechei vom 27.-30.12.2008 ins Mekka des Eiskletter-Europas, dort wo Eisgeräte und Steigeisen an Bäumen wachsen und unzählige Eisfälle die ankommenden Eispilger in ihren Bann ziehen, wo sich das Leben für kurze Augenblicke auf das Wesentliche konzentriert: EIS!!!

Die Rede ist natürlich von Kandersteg im Berner Oberland / CH. Nach einer langen, aber dank voll intaktem (bis zu diesem Zeitpunkt) Jungmannschafts-Mobil recht angenehmen, Anreise erreichen wir am 27.12. nachmittags dieses wunderbare Fleckchen Erde, und nach erfolgter Eindeckung mit lebensnotwendigen Grundnahrungsmitteln (Wurst, Käse, Speck, Brot, Chips und Bier) und einschlägiger Führerliteratur geht’s auch schon zur Sache! Das Topgebiet Oeschinenwald lockt mit dutzenden Eisfällen und einem sehr kurzen Zustieg. Oben angekommen, verwundert uns erstmal die Anzahl der sich herumtummelnden Eiskletterer, soviele Gestalten mit Steigeisen an den Füßen und Mordwaffen in den Händen auf einem Haufen haben wir noch nie gesehen. Die Wahl des ersten Eisfalls fällt nicht schwer, das „Rattenpissoir“ mit Schwierigkeiten bis WI5+ ladet richtiggehend zum Beklettern ein. Gesagt, getan geht’s froh und munter ans Werk, doch nach der ersten geklettereten Seillänge ergibt sich auch schon die erste Panne: Eine Klinge von Hecheis Eisgeräten (zumindest der vordere, spitze und zum sicheren Klettern sehr vorteilhafte Teil) verabschiedet sich ins Eis, für den ersten Tag ist erst mal aus mit Eis. Dem (Eiskletter)Gott sei Dank gibt’s in Kandersteg ein gut sortiertes Sportgeschäft, welches auch Eispickel verleiht.

Nach einem angenehmen Abend mit Fress-Orgien im Bett in unserer überaus sympatischen Pension (Vater, Mutter, Tochter, alle aus Innsbruck) geht’s tags darauf in aller Herrgottsfrüh wieder rauf in den Oeschinenwald. Temperaturen jenseits der 0°-Grenze lassen unserer Bärte (ja, sogar Simons Bart wird bei solchen Temperaturen sichtbar) einfrieren.

Laut Thermometer des bis dahin noch immer intaktem Jungmannschaftsmobils beläuft sich die Temperatur auf klirrende -19°C. Wenn man jedoch ständig in Bewegung bleibt, ist auch dies zu verkraften. Das Ausziehen der Handschuhe ist auf jeden Fall tunlichst zu vermeiden, da daraus ein sofort auftretender, sehr schmerzhafter Oanegl resultiert. „Aufgewärmt“ wird im Klassiker „Arbonium“, WI 5-, traumhaftes, steiles Eis führt über 2 Seillängen zum oberen Stock, wo wir noch die 2 knackigen Längen von „Pingu“, WI5+ dranhängen. Das Eis ist trotz der tiefen Temperaturen super zu klettern, die Kälte spüren wir mittlerweile gar nicht mehr. 4 klassische Eiskletter-Abseilmanöver später (Staudn-Gmurgs usw.) stehen wir wieder am Einstieg, wir haben noch einige Stunden Tageslicht und beschließen, noch was dranzuhängen. Der imposanten Linie der „Haizähne“, WI 5+/6- kann man nach einmaligen Hinblicken kaum mehr Wiederstehen. Nach einer moderaten ersten Seillänge geht’ richtig zur Sache: 2 lange Seillängen durchwegs im senkrechten Eis kletternd sucht man sich einen Weg durch das „Labyrinth“ der Zapfen (Haizähne), das vor Freude überschäumende Eisklettergemüt denkt gar nicht mehr ans Aufhören. Die einbrechende Dunkelheit bringt uns dann zurück auf den Boden der Tatsachen, jetzt sind wir das Ding zwar astrein raufgeklettert, müssen aber, wie leider immer beim Bergsteigen, wieder runter in die Welt der Horizontale. Dies gestaltet sich im Dunkeln mit nur einer Stirnlampe als gar nicht so einfach, aber schlussendlich erreichen wir wieder unsere Rucksäcke, stopfen die steifgefrorenen Seile und das restliche Glump rein und zischen runter nach Kandersteg, hauen uns in einem heruntergekommmenen Bahnhofsrestaurant die Mägen voll und fahren nichtsahnend Richtung Pension. Plötzlich machts einen Rums und es wird empfindlich kalt im JM-Mobil: Die Fensterscheibe auf der Fahrerseite (Hecheis Seite) hat sich nach unten verabschiedet, ein Herausangeln scheint unmöglich. Unser Vorhaben, am nächsten Tag die berühmte „Crack Baby“, WI 6 an der ebenso berühmten Breitwangflue zu versuchen, bei der ein sehr, sehr früher Start auf Grund der Länge (über 300m) und des Zustiegs (über 2h) sowie der anhaltenden Schwierigkeiten ein absolutes Muss ist, fällt ins Wasser, es gilt stattdessen einen Mechaniker aufzusuchen um den Schaden zu beheben.

Die Reperatur geht zügig von Statten, kostet gar nicht so viele „Fränklis“ wie befürchtet, und um halb 11 sind wir wieder zurück in Kandersteg und stapfen in richtung Staubbachfälle. Eine Stunde später stehen wir am Einstieg von „Blue Magic“, WI 5+, mit 200m auch nicht gerade ein kurzer Eisfall. Auch dieser Fall begeistert mit anhaltender Steilheit und Ausgesetztheit, einem gewaltigen Ausblick und großteils besten Verhältnissen. Einziges Manko: Trotz der tiefen Temperaturen rinnt einiges an Wasser über den Fall herunter, das Nasswerden ist kaum zu verhindern. Wieder einmal erschweren die steifgefrorenen Seile das Abseilen, doch nach so einem „Eiskletterschmaus“ ist man ja bereit, so einiges wegzustecken.

Ein Blick aus der Ferne in Richtung „Crack Baby“ und die vielen Wasserfälle, die noch stark rinnen, begraben den Plan der Begeheung dieses Klassikers fürs Erste. Ein Wasserfall dieser Länge und schon in der ersten Seillänge klitschnass werden, das ist wohl keine gute Kombination. Die letzte Tour des Trips wird der „Almenalpfall“, WI 4, 280m die Beschreibung im Führer „…der obere Teil liegt ab dem späten Vormittag in der Sonne.“ lässt uns wohlig warm ums Herz werden. Eine bereits ober uns kletternde Seilschaft beschert Simon eine rassige Mixed-Einstiegsvariante, oben geht’s dann über mäßig steiles, „genußverdächtiges“ Eis Richtung Ausstieg. Eine nette Abseilfahrt an dünnen Jungfichten, Latschen und Eissanduhren bringt uns wieder zurück zum Auto, und nach 3 ½ grandiosen Klettertagen und vielen genialen Metern im Eis von Kandersteg treten wir die Heimreise an.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Hasta la vista, Patagonia




So, jetzt haben wir also 4 Wochen in Patagonien verbracht. Ziele hatten wir viele, erreicht haben wir nicht viele. Viel, viel Regen und Wind versuesste uns die Zeit hier, zumindest sind wir jetzt etwas abgehaertet. Geklettert sind wir nicht viel, dafuer aber umso mehr gewandert und getrekkt, das ist wenigstens gut fuer die Kondition.

Wenn wir uns ehrlich sind, sind wir schon ein wenig enttauescht, unser Ziel, den Cerro Torre nicht erreicht zu haben, vor allem, weil wir so knapp dran waren. Aber wir wissen genau, wie Bergsteigen in Patagonien ist, darueber haben sich schon andere, viel bessere Kletterer ein Bild gemacht, Sprueche wie z.B. "Beim ersten mal Patagonien ist Erfolg die Ausnahme und Scheitern die Regel!" oder "Klettern in Patagonien ist wie Sex ohne Orgasmus!" sind das Resultat. Wir haben jedenfalls unser bestes gegeben, und wir wissen genau, dass wir wiederkommen werden, irgendwann. Die Berge hier haben uns auf jeden Fall in ihren Bann gezogen, dass geht jedem so hier. Wenns naemlich mal schoen ist, ists einfach so unglaublich schoen dass all die Tage, wo man nichts von ihnen sieht und der Wind, Regen und Schnee, jegliches Klettern verhindern, vergessen sind.

Unser letzter Versuch startete am Sonntag um 3 Uhr frueh im Bridwellcamp. Wir gingen mit leichtem Gepaeck ins Norwegerbiwak, nahmen dort unser Material auf und stapften schwerbeladen in Richtung Schulter. Der Schnee war teilweise huefttief, das Spuren zehrte an den Kraeften. Nach anspruchsvoller Mixed-Kletterei und wieder batzweichem Schnee erreichen wir nachmittags die Schulter, das Wetter haette nicht besser sein koennen, es war sogar angenehm warm. Nach einer kurzen Pause begannen wir, die ersten Seillaengen zu fixieren, um am naechsten Tag nicht einen "kalten" Kletterstart hinlegen zu muessen. Die Verhaeltnisse waren, verglichen zum ersten Versuch, recht gut, die Risse grossteils eisfrei. In Windeseile waren 3 Seillaengen fixiert, zurueck auf der Schulter schaufelten wir uns ein nettes Biwak zurecht. Die letzten Sonnenstrahlen bescheren uns eine nette Rast bei einmaligem Panorama, wir kochen und trinken viel, sind hochmotiviert. Auch die Nacht verlaueft recht angenehm, es war nicht sehr kalt, und wir schliefen so gut, dass wir sogar den Wecker ueberhoerten. Geplant war, um halb 3 loszuklettern, und wenn uns die norwegische Seilschaft nicht geweckt haette, haetten wir wohl noch laenger geschlafen. Also starteten wir erst um 4, ist ja auch egal. Wir kommen schnell voran, nach einem gigantischen Sonnenaufgang erreichen wir den Banana Crack, etwas spaeter, bereit um 8 Uhr, stehen wir vor Maestris Boltquergang, wir haben ueber die Haelfte der Route bereits hinter uns. Voll Zuversicht schauen wir rauf in Richtung Gipfel, zum Greifen nahe scheint er uns. Nach einem kleinen Sturz von Hechei in der ersten Laenge der Bolttraverse gehts in simultaner Kletterei weiter, doch der scheinbar einfach und schnell zu ueberwindende Quergang nimmt einiges an Zeit in Anspruch - und von hier an beginnt die "Odyssee". Im Minutentakt donnern ab jetzt Eis- und Schneeschollen auf uns herab. Alles, was der Berg waehrend des schlechten Wetters der letzten Wochen abgekriegt hat, kommt jetzt auf Grund der hohen Temperaturen wieder runter, und natuerlich genau auf uns. Hechei trifft eine Eisscholle auf den Kopf, Kopfschmerzen und Schwindelgefuehl sind die Folge. Nach einem anstrengendem, fetznassen Mixed Kamin stehen wir vor einem Wasserfall, und da soll nun die naechste Laenge raufziehen. Hecheis Zustand verschlechtert sich, der Eisschlag hat auch kein Einsehen mit uns, schweren Herzens entscheiden wir uns zur Umkehr. Unsere norwegischen Freunde klettern weiter. Das Abseilen gestaltet sich ebenfalls als sehr umstaendlich, staendig verhaengen sich die Seile, die mittlerweile sicher 10kg wiegen, so vollgesogen mit Wasser, das beim Abseilen immer schoen auf die Hose tropft. Mehrmals muss Hias wieder raufklettern, um die Seile aus Schuppen und anderwertigem seilfressendem Zeugs zu befreien. Und weils so nett ist, trifft noch ein Eisbrocken den armen Hechei, diesmal auf die bereits laedierte Hand. Somit hatte er eben nur noch die Linke zur Verfuegung. Abends erreichen wir die Schulter, die vermeintlich sichere und nicht im Seilhaengenbleib-Gelaende verlaufende Abseilstrecke von der Schulter zurueck auf den Gletscher gestaltet sich auch als nicht so einfach, wieder einmal sind wir auch vom Eisschlag bedroht. Doch schlussendlich erreichen wir das Norwegerbiwak, packen unser restliches Zeugs zusammen und wollen nur noch eins - weg von hier, ins Bridwellcamp zu unseren warmen Schlafsaecken. Wieder einmal uebermannt uns beim Weg raus ueber den Gletscher die Dunkelheit, wir sind zu muede und zu erschoepft um noch weiterzugehen, geschweige denn den Weg durch die Spalten zu finden, also richten wir uns zum Biwak auf einer Seitenmoraene ein......
Die letzten 2 Tag verbrachten wir dann mit Schleppen: Unser ganzes Material inkl. Muell von 4 Wochen musste nach El Chalten gebracht werden. Anstrengend und nicht unbedingt nett, aber konditionssteigernd.
Im Nachhinein betrachtet hatten wir extrem viel Pech bei diesem Versuch: Verschlafen, Seilhaengenbleiben, Eisschlag usw.Bis zum Umkehrpunkt waren wir extrem schnell unterwegs, bis zum Gipfel waerens noch etwa 10 Seillaengen gewesen, vielleicht haetten wir es geschafft, aber unsere Vernunft sagte uns das pausenloser Eissschlag und ein Hechei mit Schwindelgefuehl und starken Kopfschmerzen nicht unbedingt die optimalen Rahmenbedingungen fuer den Gipfelsturm sein wuerden. Das Risiko war uns einfach zu hoch....
Aber wir haben uns an dieser Route versucht, und waren bis zu dem Punkt, wos halt nicht mehr gegangen ist, recht schnell und sicher unterwegs, wir haben diesem geschichtstraechtigen Berg, dem Cerro Torre, einen Besuch abgestattet und dabei alles in unserer Macht stehende versucht und werden wieder zurueckkommen, soviel ist sicher.
Abschliessend moechten wir uns bei allen bedanken, die unser Treiben hier mitverfolgt haben und uns die Daumen gedrueckt haben. Wir freuen uns schon auf unseren Vortrag im Maerz, mit vielen Eindruecken aus Patagonien und vom Klettern daheim - und natuerlich auf viele Besucher.

Samstag, 29. November 2008

Eisklettern 07/08

Schön langsam wirds wieder kälter und die ersten Eiszapfen hängen wieder von den Dächern. Zur Einstimmung auf die kalte Jahreszeit gehts in dem Beitrag ums Eisklettern. Das Eisklettern hat uns in den letzten Wintern immer mehr begeistert und wir sind immer fanatischer geworden. Begonnen hat alles (wie so oft) mit ziemlicher Uscheißerei und zusätzlich an gscheidn oanegl.
Wenn man sich aber erst mit der Materie Eis angefreundet hat, Vertrauen in die Absicherung mit Eisschrauben gefunden hat und sich die Hände schön langsam an die eisige Kälte gewöhnt haben, wird das Eisklettern zu einem ganz besonderen Erlebnis. Obwohl einiges an Kraft notwendig ist, sind es nicht die klettertechnischen Ansprüche die den hauptsächlichen Reiz ausüben. Es ist das Überwinden eines filigranen und spektakulären Gebildes, das auf rein natürlichem Weg enststanden ist. Es ist der Aufenthalt an einem Ort, der eigentlich unerreichbar ist.Kurz und einfach: Es macht saumässig Spass und is a ziemliche Herausforderung!!Im letzten Winter haben wir einige wirklich super Eisfälle klettern können. Da gibts zum Beispiel einen Wahnsinns Eisfall im GasteinerTal. E
in wirklich imposantes Gebilde, angeblich der höchste Fall in Österreich. Hias und ich sind den Mordor anfang des Winters geklettert und waren wirklich begeistert von dem riesen Teil – unser bis dato höchster Eisfall. Und ganz ehrlich gesagt hat er sich auch ziemlich lang angefühlt. Nach einer Einstiegslänge (3, aber nicht so ohne) und einer leichteren kommt man in den steilsten Teil, wo zwei 5er Längen zu meistern sind. Danach gehts noch fast nicht enden wollend über 4er Gelände mit vielen Absätzen zum Ausstieg wo der schwierig zu findende und lawinengefährliche Abstieg wartet. Direkt daneben war eine Seilschaft im Supervisor, schaut auch ziemlich cool aus. Auch im Zillertal gab's einige schöne Eisfälle zu "missbrauchen", wobei das Eis extrem dünn ausgefallen ist und noch dazu stark zum Zustand "fetznass" tendierte - Duschen und daraus folgende Schüttelfroste waren das Resultat.Später im Jahr haben Hechei und ich die bekannten Eisgebilde im Pinnistal ausgecheckt. Zwar nicht so hoch wie Mordor aber klettertechnisch schwerer und ziemlich spektakulär. Zuerst gings zur Kerze (6), eine Zweisseillängentour, durchgehend senkrecht und anspruchsvoll.Danach zum Vorhang (4), super Genusskletterei, den der Hechei einfach mal in einer Seillänge durchsteigt. Und weil die Motivation immer noch da war hats uns noch hinüber zur Männer ohne Nerven (6-) gezogen. Diese Tour ist ein absoluter Klassiker in diesem Gebiet, dementsprechend gross war unsere Vorfreude. Viel größer die Enttäuschung als sich das kleine Rinnsal vom freistehenden Teil des Falles als ausgewachsener Wasserfall entpuppt. Ich kanns trotzdem nicht lassen, nur um in 10m Höhe waschelnass in morschem Eis nach einer Sicherung zum Abseilen suchen zu müssen. Gottseidank hab ich eine gefunden und bin so froh und fetznass wieder runtergekommen. Die Rodelfahrt ins Tal war dann weniger lustig. Trotzdem bleiben wir noch einen Tag länger um uns noch die Hängenden Gärten im Sellrain zu geben. Ernüchterung am Einstieg: Drei Seilschaften vor uns, Deitsche ganz vorn, ewige Warterei. Die Südtiroler vor uns geben auf und unser Weg ist frei. Hinauf zur Schlüssellänge und los gehts. Hier wartet eine freistehende Säule, unterer Durchmesser bei uns ein knapper Meter. Über diese gehts hinauf in überhängendes Gelände in dem ich zunächst fast die Orientierung verliere, über mir überall Eiszapfen, so steil dass man nicht nach oben sieht. Schlussendlich rette ich mich doch auf den Absatz und von da gehts noch über senkrechtes Eis in ein Loch im Wasserfall in dem Stand gemacht wird. Auch die nächsten Länge beginnt steil, legt sich dann aber zurück. Beim Sichern spüre ich plötzlich einen kräftigen Ruck und ahne sofort, dass Hechei gestürzt ist. So wars auch. Geht ihm aber schon wieder gut. Zum Saisonende sind Hias und ich dann nochmal hinauf zum Felbertauern gefahren und haben da ein länger geplantes Projekt verwirklicht: Die Felbertauern Trilogie. Die drei besten Eisfälle da oben, der linke und der rechte Nordportalfall und der Ammertaler mussten dran glauben.

Mittwoch, 26. November 2008

Pleiten, Pech und Pannen





So, wieder mal ein Update aus dem tollen Patagonien. Hinsichtlich bergsteigerischer Erfolge hat sich nicht viel, besser gesagt nichts, getan, aber man kann auch ohne Klettern und Gipfelerfolge so einiges erleben hier im Land des Windes. Nach unserem letzten "Relax-Aufenthalt" in El Chalten sind wir voller Tatendrang zurueck ins Bridwell-Camp, doch schon auf dem Weg hinauf wurden wir wieder mal vom Wetter ueberrumpelt. Schneefall und, wie immer halt, starker Wind begleiteten uns hinauf. Dann war erst mal Zeltlunzen angesagt, nicht mal zum Pinkeln wollten wir raus, so mies war das Wetter. Doch so schnell wie das Wetter ins Schlechte umschlaegt, so schnell gehts auch wieder ins Gute, so konnten wir zumindest mal aus dem mittlerweile bereits klaustrophobische Zustaende hervorrufenden Zelt hinaus und uns etwas die Fuesse vertreten, ein wenig Slacklinen und bloed in der Gegend herumwanken. Auch das Kartenspiel, insbesondere das Schnapsen haben wir zum Zeitvertreib sehr liebgewonnen, viele Trekker hier koennes einfach nicht glauben, dass wir bei Sturmboen hinter einem windgeschuetzten Block sitzen und Karten spielen. So verbringen wir 3 Tage bei wechselhaftem Wetter im Bridwell-Camp, von den umliegenden Bergen ist nicht viel zu sehen, aber schaut man Richtung El Chalten, scheint die Sonne und nur wenige Wolken bedecken den Himmel - einfach schraeg. Damit wir den Anblick der Torres nicht ganz vergessen, haben wir Sie, so gut es moeglich war, in Modellform nachgebaut, schauen wir halt da drauf, ist ja auch was. Ab Montag Nachmittag bis Dienstag nachts war dann lt. Internetwetterbericht halbwegs passables Wetter vorhergesagt, zwar mit viel Wind, aber sonnig. Das wir in der Kompressorroute an einem Tag nichts verloren haben, war uns von vornhinein klar, also musst ein Ausweichziel her. Die Entscheidung fiel schlussendlich auf den kleinsten der Torres, den Cerro Standhart. Diesen gedachten wir ueber die Route "Exocet" zu erreichen, grossteils Mixedkletterei und ein 300m langer Wasserfall-Kamin mit Schwierigkeiten bis 5.9 / WI5+. Laut Aussage einiger lokaler Kletterer eine echt geile Tour, nicht allzu lang und optimal vom Norwegerbiwak, wo ja unser Material so vor sich dahinvegetiert und endlich mal verwendet werden will, in einem Tag zu machen. Unser Wetterfrosch Karl Gabl gab uns jedoch eine etwas andere Prognose, welche dann schlussendlich auch die richtige war: Besserung erst am Dienstag, und Einbruch schon am Abend. Na super! Trotzdem wollten wirs versuchen, starteten um 4 nachmittags Richtung Norwegerbiwak, extremer, wirklich extremer Wind erschwerte uns das Gehen, sodass wir trotz des leichten Gepaecks erst nach 5 Stunden das Norwegerbiwak erreichten. Teilweise war Gehen auf allen Vieren angesagt, der Regen peitschte waagrecht, manchmal sogar von unten, auf uns ein. Aber wir hatten zumindest die Hoffnung, oben im Norwegerbiwak ein nettes, windgeschuetzes Plaetzchen unter einem Felsen beziehen zu koennen, von denen dort oben 2 vorhanden sind. Doch beide waren bis obenhin mit Schnee vollgestopft. Kein Problem, dachten wir uns, wir sind ja nicht bloed und haben fuer solche Faelle eine Schaufel mitgebracht. Also ausschoepfen die Scheisse. Das funktionerte auch recht gut, zumdindest fuer ein paar Zentimeter, dann wich der Schnee einer pickelharten Eisschicht, schlicht und einfach unmoeglich zu entfernen. So standen wir nun da, Sturm und Regen, kein geschuetzter Biwakplatz, kein Zelt, leicht durchnaesst, das Wetter schien auch kein Einsehen mit uns zu haben, der Sturm wurde eher noch staerker. Die Entscheidung fiel dann auf den Rueckweg ins Bridwell Camp, eine nette Gletscherwanderung in der Dunkelheit. Beim Abstieg vom Norwegerbiwak, mitten im Blockgelaende wurde Hechei dann Opfer des patagonischen Windes. Eine starke Windboe, ein unachtsamer Augenblick und es ging im Purzlgagl hinunter. Die abstuetzende rechte Hand ist heute noch ziemlich geschwollen - vom Pech verfolgt sozusagen. Um 1 Uhr in der Frueh erreichen wir dann das Basecamp, und nach einer Fressorgie gings ins Reich der Traeume. Am naechsten Tag wussten wir zumindest, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Es war zwar sonnig und warm, aber oben schien der Wind in seiner vollen Macht zu wueten, die Wolken flogen uns nur so entgegen. Und weils fuer die naechsten Tage auch nicht besser ausschaut und wir wieder mal die Schnauze voll hatten vom Zeltleben, begaben wir uns also gestern - wieder mal - runter nach El Chalten, assen uns - wieder mal - gehoerig den Wanst voll, tranken - wieder mal - mehr als nur ein Bier und gammeln nun - wieder mal - bis zur erhofften Wetterbesserung hier unten rum.

Noch eines gibts zu berichten aus Patagonien: Der Trip nimmt langsam aber sicher die Ausmasse einer Materialschlacht an, das zeigte uns zumindest die bisherige Statistik von kaputtgegangenem oder vom Wind davongetragenen Material: Ein Zelt, 2 Helme, 2 Rucksack-Regenschutzhuellen, ein Fotoapparat, einige Karabiner, eine Trittleiter, ein Firnanker, zahlreiche Loecher in den Ueberhosen - bleibt zu hoffen dass sich die Statistik nicht noch explosionsartig nach oben vergroessert. Auch in physische Hinsicht gibts die ersten Verschleisserscheinungen: Hias hat 2 taube Zehen, Hechei eine geschwollene Hand. Und auch psychisch nagt das Warten und die staendigen Misserfolge langsam, aber sicher. Aber auf das haben wir uns wohl vorsaetzlich eingelassen, als wir das Flugzeug betreten haben.

Dafuer sind wir in El Chalten umso erfolgreicher: Viele hier kennen uns bereits, viele Gratis-Biere resultieren daraus, auch der schwedischen Snues-Industrie haben wir einen neuen Markt eroeffnet, seit neustens sieht man ueberaus viele dicke Oberlippen hier in El Chalten. Die Einheimischen scheinen das Zeug wohl zu moegen. Und was solls, noch haben wir ja ungefaehr eine Woche, und das wird doch wohl nicht zu viel verlangt sein, einmal fuer 2 Tage hundsnormales, schoenes Wetter zu haben, denken wir uns halt, aber Patagonien wird da wohl anders denken..........................