Mittwoch, 15. Juli 2009

Klettern in der Pala oder Wochenende im Nebel

Vergangenes Wochenende zog es eine kleine Fraktion der Jungmannschaft in den südlichsten Teil der Dolomiten - die Pala di San Martino. Wieder mal verhieß das Wochendwetter daheim nichts gutes, wann hat das Wetter wohl endlich ein Erbarmen mit uns bzw. mit dem durch die vielen "fluchtartigen" Fahrten in wetterbegünstigte Regionen stark beanspruchten JM-Mobil?

Seis drum, das Wochenende hat sich (zumindest für 3 der 4 Mitstreiter) voll und ganz gelohnt. Die erste Nacht verbringen Eri und Hechei im Kofferraum des JM-Mobils, Chris und kloa-Hechei hatten etwas Angst vor einer Nacht unter freiem Himmel (trotz kältetauglicher Schlafsäcke) und bauten ein etwas desolates 30€-Zelt der Marke "Hofer" auf.

Tags darauf starteten wir, nachdem das Zelt verräumt war und andere frühmorgendliche Gewohnheiten erledigt waren, bei bestem Wetter Richtung Rifugio Treviso. Doch schon nach einer halben Stunde klagte Chris über Blasen, Grund dafür waren (anscheinend) die neuen Schuhe. Also abgeklebt und weiter. Nach 2,5 Stunden Zustieg erreichen wir den Wandfuss der Sass d'Ortiga Westkante. Das Wetter hat sich mittlerweile in einen verwirrenden Mix aus Sonne und Nebel geändert - sollte ja normal sein in der Pala. Über die "Wiessner-Kees"-Route steigen wir dem Gipfel entgegen, keine Haken, dafür umso mehr Sanduhren, fester, steiler und griffiger Fels, alles scheint perfekt zu sein - bis wir auf eine Gruppe Italiener stoßen, über 10 an der Zahl und eher langsam unterwegs. Somit verzögert sich die Ankunft am Gipfel erheblich, lange Wartezeiten im Nebel bei gar nicht so angenehmen Temperaturen waren die Folge. Beim Anblick der nicht vorhandenen Kletterkünste unserer italienischen Vorgänger fragt man sich, was die wohl in so einer Tour verloren haben?!? Nichtsdestotrotz erreichen wir den nebelverhangenen Sass d'Ortiga, und 2 Stunden später stehen wir wieder beim Auto und genießen eine Kneipp-Session im kühlen Gebirgsbachei.

Nach einer himmlischen Pizza und den üblichen Zutaten treten wir die abenteurerliche Fahrt zum Parkplatz der Velohütte an. "Bei schlechtem Zustand der Straße ist es ratsam, von San Martino zu Fuss dorthin zu gelangen", sagt uns der Führer, aber lieber gut gefahren als schlecht gegangen! Dank der hervorragenden Geländegängigkeit des JM-Mobils und den Fahrkünsten des dazugehörigen Piloten stehen wir - nach mehrmaligen lauten Krachen unter uns - am besagten Parkplatz und bereiten uns wieder auf die Nacht vor, Eri und Hechei wieder im "HOTEL Golf" und Chris und kloa-Hechei in der Pension "wackliger Wigwam".

Am nächsten Morgen starten wir bereits um 6:00 Uhr, doch leider muss der angeschlagene Chris auf Grund von blutigen Blasen an den Füßen w.o. geben und beim Auto bleiben, und das ohne Handy und sonstige Technik...armer Chris. Also starten die verbliebenen 3 Richtung Velohütte, nach 1 1/2h stehen wir oben und freuen uns darüber, dass nur 2 Seilschaften vor uns in die weltbekannte Schleierkante an der Cima della Madonna einsteigen. Und die Tour hält, was sie verspricht: Steil, fester und vor allem rauer Fels, wiederum mit unzähligen Sanduhren. Sogar die eher leichteren Seillängen sind ein einziger Genuss. Wäre da nicht die Kälte, der Nebel und der Wind, der den nachsteigenden (Eri und kloa-Hechei) in Form von dauernden Oanegl zu schaffen macht. Bei einem Wechselspiel aus Sonne und Nebel gehts schnell voran, und so erreichen wir auch bald den Gipfel der Cima della Madonna, wohlwissend, dass noch ein anspruchsvoller Abstieg der Art "Dolomiten" vor uns liegt. Und wie durch ein Wunder hat Chris den Tag ganz allein und ohne Technik am Parkplatz verbracht - und auch wohlbehalten überstanden.
Und die Moral von der Geschicht: Kletterst in der Pala, siehst die Sonne nicht!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

gibts bolts an den ständen der schleier, wenn nein, in welchem zustand sind die standplätze und braucht man komplettes keilsortiment (schlingen brauchts ja viele) für die seillängen ?

JM Wilder Kaiser hat gesagt…

Im oberen Teil sind einige Bolts, standplatzbauen ist aber in der gesamten route kein problem, da ausreichend sanduhren und köpfel vorhanden sind. Mit einem normalen Satz Keile und evt. noch 2 mittleren friends kommt man sicher leicht aus...

Anonym hat gesagt…

vielen dank für die info. seilt man von dem block auf dem bild des folgenden links ab, oder klettert seitlich runter ?

http://people.mmci.uni-saarland.de/~mseeger/gallery/schleier/pic32.html

noch ne frage: wie ist der zustand der kleinen fahrstrasse hoch zum parkplatz ? wir werden morgens in aller frühe von cortina kommen, aufsteigen, kante, abseilen und wieder nach cortina

JM Wilder Kaiser hat gesagt…

nach rechts abklettern, ist nicht so schwierig.

die straße ist bis auf 2 stellen (sehr steil und total ausgewaschen) ganz ok, wenn dein auto nicht tiefergelegt ist sollte es kein problem sein...

Anonym hat gesagt…

merci für die infos, top :-)
eine frage noch: an manchen ständen sollen noch die bolzen rausstehen, sodass ich ne m8 oder m10 mutter mit plättchen aufschrauben könnte oder ala arapiles über die bolzen einen rock mit kabel ziehen kann...habt ihr das gesehen oder gibts die mittlerweile auch nicht mehr - was wäre bei wettersturz...müsste man wohl ne menge material opfern, um über die route abzuseilen ?